46; Art und Kunst der Kriegführung Ciisar's (49-45 v.Chr.). 305
und gegen Scipio bei Ucita, wo sich ein einzelnes Gefecht, aber kein all-gemeiner Kampf entspann.
Die Schlachtordnung der Armee Cäsar's im Bürgerkriege, wo ermeist zehn bis zwölf Legionen zusammen hatte und nicht mehr, wie vor-dem in Gallien, jede Legion besonders einem Legaten anvertrauen konnte,zerfiel vorzugsweise in ein Centrum und zwei Flügel, deren jeder Theilvon einem Legaten befehligt wurde, wie z. B. von Antonius, Sulla undDomitius bei Pharsalus. Hierbei ist zu bemerken, dass in Cäsar's Auf-zeichnungen die erste, zweite und dritte Linie (in der Tiefe) stets aciesprima, secunda, tertia, die Flügel oder Flanken aber comu (dext? , um,sinistrum) genannt werden. So z.B. erklärt Cäsar seine Stellung unddie des Afranius zwischen ihren Lagern bei Ilerda am Sicorisfluss.
Den Kampf eröffnete bisweilen der rechte Flügel, und bei diesem diebeste, vorzugsweise die zehnte Legion, wie bei Pharsalus und Thapsus,bisweilen auch der linke Flügel und bei diesem gleichfalls die beste oderdie besten Legionen, wie bei Ucita. Auf der Flanke des angreifendenFlügels befand sich Cäsar selbst und gab von hier aus das erste Signalzur Schlacht.
In Beziehung auf den Vertheidigungskampf im freien Felde währenddes Vor- oder Rückmarsches gilt das früher Gesagte auch von dem Ge-fecht zwischen Cäsar und Labienus bei ßuspina in Afrika im Jahre 47.In diesem Kampfe wollte Cäsar, der die grossen Massen der Reitereiund des leichten Fussvolks sich gegenüber in langer Linie erblickte,seine verhältnissmässig weit schwächereu Kräfte schützen und aus demKampfe zurückhalten und das Gefecht bis zu ihrem Eingreifen hinziehen,daher hielt er es für besser seine Cohorten nicht mit Intervallen, sonderndicht an einander geschlossen zu stellen. Die 30 bei ihm befindlichen,in zwei Linien ä 15 und ohne Intervalle aufgestellten Cohorten nahmensomit im Ganzen eine Front von 1800 Fuss Länge ein. Dies bewog,nach Guischard's Erklärung (s. §. 315), den Cäsar die drei mittlerenGlieder der Cohorten nach rechts und links herauszuziehen, zur Verlän-gerung seiner Front; Rüstow dagegen meint, Cäsar habe zu diesemZwecke die 15 Cohorten der zweiten Linie in die Intervalle der 15 Co-horten der ersten Linie einrücken lassen, was eine Länge von 3600 oderfast 4000 Fuss für diese eine Linie ergab, welche noch durch Anschlussder 400 Reiter auf beiden Flügeln und der 150 Bogenschützen, welchesich vor der Front der Cavallerie und Infanterie vertheilten, um 1000 Fussverlängert wurde. Auf diese Weise hatte Cäsar, nach Rüstow's Erklä-rung, sein Heer in einer Linie formirt [acies simplex). Allein der Gegner(Labienus), der, an Zahl weit überlegen, eine viel längere Frontliniehatte, überflügelte Cäsar's Linie mehr und mehr und drohte sie ganz inFlanke und Rücken zu umfassen. Um dem vorzubeugen, beschloss
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 1,4. 20