Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
269
Einzelbild herunterladen
 

44. Dritter röm. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u. Pompejus (4945 v. Chr.). 269

dessen liess er nicht allein diese für ihn so günstige Gelegenheit zur Be-siegung Cäsar's vorübergehen, sondern übertrug auch dessen Verfolgungdem Labienus mit den leichten Truppen, während er selbst mit den Le-gionen den zwei Legionen bei Zeta zu Hülfe kam. Das ist durch Nichtszu rechtfertigen, zu erklären vielleicht nur dadurch, dass das Unvermu-thete des Falles ihn ganz ausser Fassung gebracht und verwirrt hatte,so dass er statt des Hauptzieles eine Nebensache in's Auge fasste,kurzum seine Unfähigkeit kam zu Tage, obschon er eine grosse Kriegs-erfahrung besass. Aber auch Labienus entwickelte bei dieser Gelegen-heit keine besondere Kunst in seinen Entwürfen und Rathschlägen anScipio, und ohne Uebertreibung kann man sagen, dass Cäsar's Glückseine beiden Gegner hier vollkommen geblendet hatte.

Die Schwierigkeit seines Rückzuges hatte Cäsar gezeigt, dass einersolchen Kampfweise gegenüber, wie sie des Labienus Truppen anwen-deten , die Evolutionen des Legionarfussvolks und der Gebrauch ihrerWaffen nicht immer zum Ziele führten. Deshalb führte er darin einigeAenderungen ein, in welchen er seine Soldaten und Offiziere selber ein-übte. Und da Scipio und Juba Elephanten bei sich hatten, so liess Cäsarauch einige aus Italien herbeibringen und unterwies seine Soldaten fasttäglich in dem Kampfe und Verhalten mit ihnen und gegen sie, wobei ersich namentlich bemühte, auch seine Reiter und deren Pferde an dieseThiere zu gewöhnen.

Inzwischen wurde aber der Unterhalt seiner, nun bereits auf zwölfLegionen angewachsenen Armee im gleichen Maasse immer schwieriger,und alle Tage mussten zur Beschaffung desselben Scharmützel bestandenund'oft grosse Fouragirungen unternommen werden. Um so lebhafterwünschte Cäsar selbst die Entscheidung des Krieges durch eine Schlacht.Zu diesem Ende rückte er mit seiner ganzen Armee (am 21. März nach vor-julianischem, oder am 12. Januar des Jahres 46 nach julianischem Kalen-der) gegen Scipio's Lager vor. Allein dieser hielt es nicht für rathsam, seinLager zu-verlassen, und Cäsar erschien ein Angriff auf dasselbe unmög-lich. Dies wiederholte sich mehrmals, bis endlich Cäsar, dieser Art desKrieges müde und der Lebensmittel wie des Wassers benöthigt, den Ent-schluss fasste, eine Entscheidungsschlacht herbeizuführen und zu demZwecke die Stadt Thapsus zu belagern, welche etwa drei Meilen (über4 Kilometer) von seinem Lager entfernt war. Thapsus war ein für Sci-pio höchst wichtiger Punkt, denn es lag in der Stadt ein Zeughaus(Waffenmagazin) unter dem Schutze einer starken Garnison, im Hafenhatte er eine grosse Anzahl Schiffe, welche Cäsar's zwischen Leptis undThapsus aufgestellte Flotte blokirten. Die Belagerung von Thapsus botnach zwei Seiten hin Schwierigkeiten: einmal in Bezug auf die Verpfle-gung des Heeres , denn der Mangel an Magazinen verbot es, lange auf