43. Dritter röm. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u. Pompejns (49—45 v. Chr.). 241
und dies zwingt zu der Annahme, dass des Mithridates Armee die Wüsteim April durchschritt.
Der General Lossau bemerkt, dass Aegypten leicht hätte das Grabfür Cäsar's Kuhm werden können, wenn dieser Letztere sich in seinemGlücke oder seinem Selbstvertrauen hätte einschläfern lassen; man habeCäsar auch zum Vorwurf gemacht, dass er noch in reiferem Alter sichdurch die Leidenschaft für Cleopatra habe hinreissen lassen; indessenhabe seine natürliche Gefühllosigkeit ihm als Schild gedient, durch wel-chen eine wahrhafte Herzensmeinung nicht hätte dringen können; undwenn er auch vorübergehende Momente der Schwachheit gehabt, so be-wiese doch die Folgezeit, dass Cleopatra ebensowenig als die Uebrigenihn für längere Zeit in ihren Fesseln zu halten vermocht habe.
Allein der General Lossau, ein ebenso enthusiastischer VerehrerCäsar's, als Napoleon I., dabei aber ein ziemlich strenger, wenn auchgerechter Beurtheiler desselben, ist in diesem Falle doch zu nachsichtiggegen die vorübergehenden Momente der Schwachheit Cäsar's. Für einenso grossen Mann und Feldherrn wie .Cäsar, der sich das Ziel gesteckthatte, Herrscher des ganzen weiten römischen Reiches oder, nach den Be-griffen der damaligen Zeit, des Weltalls zu sein, unter den damals inRom und den Provinzen herrschenden Verhältnissen, in dem Alter endlichvon 53 Jahren, in welchem Cäsar stand, waren die ganzen zwei Monate,die er um Cleopatra's willen, und nicht einmal von tiefer Herzensnei-gung, sondern nur von sinnlicher Leidenschaft erfasst, in Alexandria, zubringt, durchaus nicht zu rechtfertigen, sie bilden vielmehr einenFlecken und Makel für Cäsar, und beweisen nur, dass derselbe, obgleichein grosser Mann und Feldherr, doch zugleich ein Kind seiner Zeit,jener aufs Aeusserste verderbten Zeit war.
§. 308.Peldzug Cäsar's gegen Pharnaees. Operationen des Pharnaees undDomitius in Klein-Asien ; Schlacht bei Nieopolis.Pharnaees, der Sohn Mithridates des Grossen, hatte im Jahre 63 dieTruppen seines Vaters gegen diesen aufgewiegelt, sich von ihnen zumKönige ausrufen lassen, seinen Vater in der Burg zu Panticapaeum ein-geschlossen und ihn dadurch gezwungen sich das Leben zu nehmen,dann aber dem Pompejus sich unterworfen, der ihm dafür das Bospo-ranische Königreich *) mit Ausschluss von Phanagoria übergeben hatte(siehe III. Theil §. 249). Als aber 16 Jahr später Pharnaees erkannte, dass
*) Napoleon I. sagt, dass Pharnaees eins der Werkzeuge gewesen, deren sichPompejus bediente um sich des Mithridates zu entledigen, wofür er dann durch Pom-pejus mit dem Bosporanischeu Königreich belohnt worden sei.
ßalitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 4. 16