224 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
au sich gebracht und inissbrauchte das Vertrauen des um eine Zufluchtin Aegypten bittenden Pompejus in treuloser Weise, indem er ihn arg-listig zu sich lockte und ihn dann umbringen Hess, um dadurch dasWohlwollen des Ueberwinders des Pompejus, Cäsar's, für sich und sei-nen jungen König zu gewinnen.
Inzwischen war Cäsar aus Larissa mit seiner gesammten Cavallerieeilends zur Verfolgung des Pompejus aufgebrochen, um diesen an derZusammenbringung eines neuen Heeres zu verhindern und womöglichihn selbst zu ergreifen. Eine Legion liess er seinem Fussvolk folgen.Bald aber, da er errathen oder erfahren hatte, dass Pompejus nachAegypten geflohen, schiffte er sich mit 800 Reitern und zwei Legionen(im Ganzen nicht über 3000 Mann) auf zehn rhodischen und einigenkleinasiatischen Schiffen ein und wandte sich nach Alexandrien. Kaumwar er dort angelangt und hatte das Ufer betreten, so wurde ihm desPompejus abgeschnittener Kopf Uberbracht. Beim Anblick desselbenkonnte er sich nicht der Thränen erwehren, und gewiss, obschon er nichtzu den Gefühlvollsten gehörte, .waren diese Thränen nicht erheuchelt.Er hätte alles Gefühls bar und ledig sein müssen, wenn er beim Anblickdes Hauptes des Pompejus nicht von Rührung ergriffen worden wäre, inder Erinnerung an ihre früheren Beziehungen zu einander und an desGegners unglückliches Schicksal, wie in der Erkenntniss von der Unbe-ständigkeit aller irdischen Grösse.
Zu Alexandria wurde er aber keineswegs freundlich aufgenommen :die ägyptischen Truppen des Ptolemäus waren über seine Ankunft un-gehalten, einige seiner Leute wurden sogar von denselben erschlagen.Cäsar halte nur sehr wenige von seinen Truppen bei sich; er erklärtdies dadurch, dass er darauf gerechnet hatte, sein Ruhm als Siegerwerde ihm vorausgehen und ihn persönlich überall sicher stellen, wohiner sich auch wenden möge. Nichts desto weniger musste er mehr Trup-pen bei sich haben und traf deshalb Anordnungen, um aus Klein-Asieneinige der dort aus den Ueberresten von des Pompejus Armee gebildeteLegionen heran zu ziehen.
Es könnte scheinen, dass mit des Pompejus Tode der Krieg been-det gewesen und Cäsar nun sogleich hätte nach Griechenland und von danach Rom zurückkehren müssen, wo seine Anwesenheit unerlässlichwar. Vor Allem war es nöthig, die Angelegenheiten in Rom zu ordnenund zu befestigen, dann erst die in Aegypten, wenn die Umstände daserheischten oder auch zuliessen. Cäsar aber wollte, bevor er nach Romzurückging, die Dinge in Aegypten ordnen, indem er den .Streit zwischenCleopatra und ihrem Bruder schlichtete, und er hoffte dies in nicht zulanger Frist zu vollbringen. Allein er hatte sich in seinen Erwartungengetäuscht und sali sich ganze fünf Monate lang in den sogenannten