222 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
auf Flanke und Rücken des Feindes. Nun wandte sich die Armee desPonipejus. welche diesem heftigen Angriff in Front, Flanke und Rückennicht Widerstand zu leisten vermochte, zur Flucht nach ihrem Lagerhin. Ponipejus selber eilte dorthin und befahl den sieben Cohorten imLager es hartnäckig zu vertheidigen. Er hatte aber selber dermassenden Kopf verloren, dass er in vollkommene Apathie versank und Nichtsmehr anordnete. Cäsar verfolgte die Fliehenden lebhaft und nachdrück-lich und ermunterte trotz der Hitze und Ermüdung seiner Truppen (derKampf hatte vom Morgen bis zum Nachmittag gewährt) sie zum soforti-gen Sturm auf das Lager des Pompejus. Mit Freudengeschrei warfensie sich in den Graben, erkletterten den Wall, drängten die tapfer undmuthig sich zur Wehre setzenden Cohorten und thracischen Hülfsvölkerzurück, hieben sie nieder und erstürmten das Lager. In seiner Bestür-zung warf Pompejus die Abzeichen seiner Feldherrn würde von sich undjagte zu Pferde in einfacher Sklavenkleidung nach Larissa. Die Trüm-mer seiner geschlagenen Armee sammelten sich auf den nächstgelege-nen Bergen, zogen dann aber, als sie Cäsar's Truppen von drei Seitengegen sich herankommen sahen, eilends auf dem Wege nach Larissa ab.Nun Hess Cäsar einen Theil seines Heeres in dem eroberten pompejani-schen Lager stehen, einen andern schickte er in sein eignes Lager zu-rück, einen dritten beorderte er zur Verfolgung der Fliehenden. Diesesammelten sich auf einer Anhöhe, wurden während der Nacht aber aufderselben durch eine befestigte Linie eingeschlossen und legten mit An-bruch des folgenden Tages die Waffen nieder, indem sie Cäsar auf denKnieen um Schonung ihres Lebens baten. Cäsar schenkte ihnen nichtallein das Leben, sondern beruhigte sie auch und befahl seinen Soldatenihnen nicht das geringste Leid zu thun und Nichts weg zu nehmen. Dannsammelte er bei sich die Legionen, welche in des Pompejus Lager stan-den, schickte die bei ihm befindlichen an deren Statt ins Lager, und eiltenun mit der Reiterei, gefolgt von den Legionen, nach Larissa (das etwadrei römische Meilen oder über vier Kilometer von Fharsalus ent-fernt war).
Es erscheint erstaunlich, ja fast unglaublich, dass Cäsar's ganzerVerlust, wie er angiebt, sich nur auf 30 Centurioncn und 200 gemeineSoldaten belaufen haben soll! Der Verlust des Pompejus betrug, nachCäsar's Worten, an 15,000 Mann todt und verwundet, und 24,000 Manngefangen; die übrig gebliebenen Truppen des Pompejus hatten sich nachallen Seiten zerstreut. Ausserdem hatte Cäsar neun Adler und 180 Feld-zeichen als Trophäen erbeutet.
Das war der Ausgang der berühmten Schlacht bei Pharsalus, inwelcher Cäsar den entscheidendsten aller seiner Siege erfochten hatte.Mit ersichtlicher Befriedigung bemerkt er in seinen Schriften, dass seine