41. Dritter röm. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u. Pompejus (49-4S v. Chr.). l89
Darnach wandte sich Cäsar, der durch sein grossmüthiges Verhal-ten bei der allgemeinen Volksversammlung zu Corduba sich die Zunei-gung des ganzen Landes erworben und gesichert hatte, nach Gades, gabden Schatz an den Herculestempel zurück, ernannte den Legaten Cassiuszum Proprätor von Süd-Hispanien, liess ihm seine zwei und die zweiLegionen des Varro zurück, und fuhr auf den, auf Varro's Befehl erbau-ten Schiffen zur See nach Tarraco. Hier erwarteten ihn schon Deputa-tionen aus ganz Hispanien, und er ernannte den in Rom weilenden Mar-cus Lepidus zum Statthalter des Landes, begab sich dann zu Lande nachNarbo und von da nach Massilia, wo er erfuhr, dass er auf Antrag desLepidus in Rom zum Dictator ernannt sei.
§. 295.Resultate der Operationen in Italien und Hispanen; Betrachtungen.
Am 24. November des Jahres 50 (nach julianischem oder heutigemKalender) *) war Cäsar, den Rubicon überschreitend, in Italien einge-rückt, am 16. Januar 49 langte er vor Brundisium an, von wo Pompe-jus am 24. Januar sich nach Epirus einschiffte. Am 2. Mai stand Cäsarvor Ilerda, am 9. Juni ergaben sich ihm Afranius und Petrejus, im JuliVarro. Auf diese Weise hatte Cäsar binnen 60 Tagen sich ganz Italiensbemächtigt, binnen 40 Tagen Afranius und Petrejus zur Uebergabe ge-zwungen, und im Ganzen in zwei Monaten (Mai und Juni) ganz Hispa-nien unterworfen. Das waren die Resultate seiner achtmonatlichen Ope-rationen in Italien und Hispanien. Gleich mit seinen ersten Schritten inItalien hatte er seine Gegner, Pompejus, den Senat und die AristokratieRoms weit überholt, ihre Berechnungen und Erwägungen vollkommenzerstört, und unter ihnen, die die ganze Fülle der Macht an sich ge-rissen hatten, befand sich nicht Einer, der sich in einen Kampf mitCäsar um Rom und Italien einzulassen gewagt hätte! Statt dessen ver-Hessen sie Alle Italien, richtiger gesagt, flohen sie nach Griechenland,und Cäsar, nachdem er in Rom eingerückt war und sich die Herrschaftdort und in Italien durch Abwehr-Massregeln gegen Pompejus gesicherthatte, zog nicht nach Griechenland gegen diesen, sondern nach Hispaniengegen des Pompejus Legaten. Und während sechs Monaten von diesem
*) Es wurde schon öfter darauf hingewiesen, dass der rö'misen-vorjulianischeKalender dem julianisehen (nach Guischard) um 80 Tage = elf Wochen und dreiTage, oder fast drei Monate voraus war, wonach man die Berechnung aller Kriegs-ereignisse dieser Zeit modificiren muss. (Nach Napoleon I. sogar um 18 Wochen =4' 2 Monat; s. Aninerk. zu jj. 286.)