41. Dritter röm. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u. Pompejus (49—48 v. Chr.). 167
Lager. Domitius rüstete sich zur Verteidigung und schickte zu Pompe-jus mit der Bitte um Unterstützung. Cäsar dagegen sandte M. Antoniusmit fünf Cohorten nach Sulmona (heute Solmona), südöstlich von Corfi-nium, wo sich die Senatoren C. Lucretius und Attius Pelignus mit siebenCohorten befanden. Allein diese Letzteren sowie die Einwohner derStadt Hessen den M. Antonius herein, welcher diese sieben Cohorten undden gefangenen Attius dem Cäsar zuführte. Der Letztere entliess denAttius, und bald darauf stiessen die achte Legion, 22 neu ausgehobeneCohorten und 300 Mann Hülfs-Cavallerie aus Noricum (an der nordöst-lichen Grenze von Nord-Italien und Illyrien) zu Cäsar.
Schon waren die Belagerungsarbeiten beendigt, als Domitius vonPompejus die Antwort erhielt, dass er ihn nicht unterstützen könne; ja,er machte demselben Vorwürfe, dass er sich in Corfinium eingeschlossenhabe. Domitius, in Verzweiflung, wollte fliehen, aber seine Truppen hiel-ten ihn fest und lieferten ihn an Cäsar aus. Dieser Hess von den Trup-pen sich den Eid der Treue leisten, Domitius nebst allen Senatoren, Tri-bunen und Rittern, die sich in Corfinium befunden hatten, wurden inFreiheit gesetzt. Daraufzog er noch am selben Tage, nach siebentägigemAufenthalt vor Corfinium, längs der Küste des adriatischen Meeres süd-wärts nach Apulien, vermuthlich weil er die Absicht des Pompejus, vonItalien nach Griechenland zu fahren, errathen oder erfahren hatte. Des-halb wollte er noch vor Pompejus Brundisium, den Haupt-Ueberfahrts-punkt von Italien nach Dyrrhachiuni in Griechenland, erreichen, Pompe-jus dadurch in Italien festhalten und den Kampf mit ihm rascher zurEntscheidung bringen. Pompejus aber, der viele Truppentheile und Ein-wohner auf Cäsar's Seite übergehen sah und fürchtete, dass noch mehrereübergehen würden, der ausserdem nur zwei Legionen bei sich und 30,000Mann bei Rom hatte, hielt es für räthlicher einen bewaffneten Zusam-menstoss mit Cäsar in Italien zu vermeiden und sich nach Griechenlandzu begeben, wo er eine erhebliche Macht zusammenbringen und Cäsardamit erdrücken konnte. Aber gerade hierdurch Hess er Italien in derMacht Cäsar's und gab ihm die Möglichkeit, seinerseits in Italien bedeu-tende Kräfte zu sammeln und Pompejus nicht wieder ins Land zu lassen.Die Rechnung des Pompejus war also falsch und musste zu seinen Un-gunsten und zu Cäsar's Vortheil ausschlagen, umsomehr, als die Ent-fernung des Pompejus aus Italien ganz wie eine Flucht aus diesemLande erschien. Nicht bei Zeiten zur Gegenwehr in Italien gerüstet,unvermuthet überrascht, in Furcht, Unentschlossenheit und Unthätigkeitverharrend, hatte er somit gleich von vornherein den Dingen eine fürihn ungünstige, für Cäsar aber vortheilhafte Wendung gegeben.
Und in der That bekundeten alle seine Massnahmen und Schrittekeine Ueberlegung, sondern nur Furcht vor Cäsar. Von Capua war er