154 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
Sturm und die Escalade, besetzte die Mauer und den Wall und öffnetedie nächstgelegenen Thore den anderen Truppen.
Das Hauptmittel zur Wegnahme von Städten mittelst der förmlichenregelmässigen Belagerung war ein Erddamm (agger), der ausserhalbSchussweite der Wurfgeschosse aufgeworfen und allmälig nach vorn undoben weiter angeschüttet wurde in der Eichtung nach der Stadt zu biszu einer Höhe gleich der der Stadtmauern, bisweilen sogar noch höher.Wenn dieser Damm unter dem Schutze verschiedenartiger Deckungs-arbeiten bis zu der Stadtmauer vorgeschritten war, so bestiegen ihn dieTruppen, erstürmten den Wall und nahmen die Thore und die ganzeStadt mit Sturm. Die Höhe des Dammes war bisweilen sehr bedeutend,bei Avaricum betrug sie 80 römische Fuss. Die Länge übertraf gewöhn-lich die Schussweite der Geschosse, welche von der Mauer herabge-schleudert wurden, und belief sich auf nicht weniger als 400—500 Fussvon der Stadtmauer. Seine obere Dicke musste für die Aufstellung derSturmcolonnen genügen in einer der Front eines Manipel entsprechendenBreitenausdehnung, mit einem Ueberschuss nach beiden Seiten, im Gan-zen 50 Fuss. Die untere Dicke mochte nur wenig grösser sein, etwa 70,oder sogar nur 60 Fuss. Vor Avaricum wird sie von Cäsar auf 330 Fussangegeben, aber das ist entweder eine spätere Angabe, oder sie beziehtsich auf die Länge des Dammes.
Alle Belagerungsarbeiten bezweckten vorzugsweise die Aufführungdes Dammes. Hierher gehörten der Keihe nach: 1) das Ebnen des Bo-dens auf der Sohle des demnächst aufzuwerfenden Dammes, unter demSchutze von Schildkröten [testudines) verschiedner Form und Con-struction; 2) das Aufschütten der Erde, unter der Deckung (ausser denSchildkröten) noch von bedeckten Gängen (vineae, muscuU), Schir-men (jplutei) u. s. w.; 3) die Beschiessung der Stadtmauern mit Bogenund Schleudern, oder aus beweglichen Holzthürmen (lurres am-bulatoriae) von verschiedener Höhe; 4) gedeckte Gänge [vineae,musculi), sowohl zum Damme wie zur Stadtmauer hin, um die Arbeiter,die Anfuhr von Erde und Material aller Art zu schützen; endlich5) Mauerbrecher [terrehrae) von verschiedener Form, Grösse undConstruction, um Bresche in die Mauer zu legen (übrigens wird der An-wendung des Widders [aries) in Gallien nirgends Erwähnung gethan).Dies waren im Allgemeinen die normalen Belagerungsarbeiten, sie vari-irten und modificirten sich je nach den Umständen, der Beschaffenheitder Städte, ihrer Mauern, des umliegenden Terrains, und besonders nachden persönlichen Entwürfen und der Kunst des Feldherrn. Bisweilenallerdings, als Ausnahme nur (wie z. B. bei der Belagerung der Stadtoder Festung der Aduatuker) wenn das Terrain allmälig zur Festunganstieg, baute man den Damm gleich von vornherein möglichst hoch und