40. Allgemeiner Ueberblick über den Krieg Oiisar's in Gallien. 127
Für den Kampf im offnen Felde, wo er sein eignes befestigtes La-ger hinter sich hatte, war Cäsar bemüht, dieses'Lager nicht zu nahe amFeinde aufzuschlagen, besonders wenn dieser Letztere selber in einembefestigten Lager stand. Seine Absicht dabei war, nach erlangtem »Siegediesen möglichst durch Verfolgung des Feindes auszunutzen ohne ge-nöthigt zu sein, denselben in seinem festen Lager aufs Neue anzugreifen.Zu dem Ende machte er heimliche forcirte Märsche, bezog, nachdem ersich dem Gegner bis auf einen kleinen Tagemarsch genähert hatte, amAbend das Lager, und rückte am folgenden Tage mittelst kurzen Mar-sches direct zur offnen Feldschlacht gegen den Feind vor. So näherteer sicli geheim dem Ariovist, so näherte er sich denUsipetern undTench-terern des Abends bis auf etwa 12,000 römische Schritte (über 7 Werst= circa 1 deutsche Meile) und griff sie am folgenden Morgen nachkaum halbem Tagemarsche (gleichfalls ungefähr 8 Werst = etwa über1 Meile) in ihrem befestigten Lager an, sie gänzlich besiegend.
Aber es kam auch vor, dass er am Abend vor der Schlacht nochnäher an den Feind heranging, wenn er nicht hinreichende Nachrichtenvon der Stellung desselben hatte, oder wenn er durch bedeutende natür-liche oder Terrain-Hindernisse (Fluss, Gebirge, Wald u. s. w.) von ihmgetrennt war, sodass der Feind die Befestigung von Cäsar's Lager nichthindern konnte, oder wenn Cäsar hinter diesem Hinterniss eine offensiveDefensivstellung einnebmen wollte. Die beiden ersteren Ursachenwirkten gleichmässig ein auf die Auswahl seines Lagers in dem Feld-zuge Cäsar's gegen die Nervier, wie bei seinem Marsehe zum Entsatz desWinterlagers Cicero's, die letztere Ursache allein auf die Auswahl sei-nes Lagers gegen die Bellovaker.
In weiterer Entfernung vom Feinde blieb Cäsar in solchen Fällen.wo er sicli den günstigsten Kampfplatz aussuchen . seine Verbindungensichern, genügende Zeit zu ungestörter Befestigung seines Lagers habenwollte, kurzum, wenn er es für unthunlich hielt, entschieden angriffs-weise zu verfahren, oder für nöthig befand, mit grosser Vorsicht sich inder Defensive zu halten. So machte er auf dem Marsche von Vesontioaus gegen Ariovist bereits in einer Entfernung von zwei kleinen Tage-märschen von ihm (circa 5 deutsche Meilen = 30—40 Werst) Halt undbeschäftigte sich nur mit Befestigung seines Lagers und mit Unterhand-lungen. Bezüglich des Ortes, wo Cäsar sein Lager in Ariovist's Näheaufgeschlagen hatte und wo die Schlacht gegen diesen stattfand, giebtes nur unsichere und unverbürgte Annahmen. Man meint, dass dieserOrt östlich von Vesontio, zwischen dieser Stadt und dem Rhein lag (soNapoleon I. und Andre), Küstow dagegen zieht aus der Beschreibungdesselben in Cäsar's Commentaren den Schluss, dass dieser Punkt nir-gend anders zu suchen sei. als im heutigen Ost-Lothringen, am West-