39. Kriege und Feldziige Julius Cäsar's (öS—45 v. Chr.). 103
diesen Schritten durch die Flucht des Ambiorix und die daraus sich er-gebende Unmöglichkeit ihn zur Unterwerfung zu zwingen, gewisser-massen getrieben worden sei, und deshalb auch notwendiger Weiseseine Länder habe verwüsten müssen, damit für den Fall, dass derselbedahin zurückkehrte, er dort nur eine Wüstenei vorfinden möge, in wel-cher er sich nicht festsetzen könne. Ob diese Erklärung auf Wahrheitberuht oder nicht, bleibt dahingestellt: das Factum der grausamen undgänzlichen Verwüstung des Reiches des Ambiorix durch Cäsar stehtjedenfalls fest und gereicht diesem Letzteren gar nicht zur Ehre. Wieschwere Schuld Ambiorix auch durch sein unmenschliches Verfahren ge-gen die Legaten Cäsar's, Sabinus und Cotta, und überhaupt durch seinfeindliches Auftreten gegen die Römer auf sich geladen haben mochte,er war ihr Feind, aber nicht ihr Unterthan, und die Rache gegen seinePerson konnte und durfte sich nicht auf die schuldlosen Bewohner seinesReiches erstrecken. Allerdings konnten in dem heidnischen Alterthumim Allgemeinen und dieser Zeit im Besondern, selbst bei einem Mannewie Cäsar, der ja auch Heide war, Erwägungen dieser Art, wie sie derneuen Zeit angehören, nicht Platz greifen. Bei alledem aber ist selbstfür jene Zeit und von Seiten Cäsar's, der mehr als einmal sich gegen be-siegte und wehrlose Feinde grossmüthig erwiesen hatte, die Verheerungder Länder des Ambiorix durch Nichts zu rechtfertigen.
Nachdem dies ausgeführt war, zog Cäsar den Labienus an sich, derseinen Auftrag noch nicht zu vollbringen vermocht hatte, und sandte ihnmit zwei Legionen in das Land der Trevirer, eines so wilden, rauhenund kriegerischen Volksstammes, dass er nur mit Gewalt der Waffen inUnterwürfigkeit gehalten werden konnte.
Während dessen war der Legat Caninius Rebilus dem in der StadtLimonum im Lande der Pictonen (heute Poitiers im Poitou) durch einzahlreiches gallisches Heer unter Dumnacus aus der Stadt Andecavum imGebiete der Anden (heute Angers im Anjou) belagerten Duratius, einemFreunde der Römer, zu Hülfe gezogen. Dumnacus wendete sich gegenCaninius, wurde aber von diesem mit Verlust zurückgetrieben und kehrtezur Belagerung von Limonum zurück. Aber als der Legat Fabius dieserStadt uud dem Duratius und Caninius zur Hülfe kam, sah Dumnacussich zur Aufhebung der Belagerung und zum Rückzug über den Liger(Loire) gezwungen. Fabius folgte, noch ehe er sich mit Caninius ver-einigt hatte, dem Dumnacus zu der Uebergangsstelle über den Liger,erreichte die Queue seines Heeres und fügte derselben grosse Verlustezu. In der folgenden Nacht setzte er dem Dumnacus mit seiner Cavalle-rie lebhaft und nachdrücklich nach. Während des langen hitzigenKampfes mit der letzteren Hess Dumnacus sein gesammtes Fussvolkeiligst wieder Front machen, wurde aber beim Eintreffen des Fabius mit