Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

39. Kriege und Feldziige Julius Cäsar's [-5845 v. Chr.). Sl'

ihnen vor. die Belagerung aufzuheben, wenn die Entbehrungen zu grosswürden. Sie baten ihn aber Alle, das nicht zu thun, indem sie sagten,dass, seitdem sie unter seinem Befehle stünden, sie noch niemals sich mitSchimpf bedeckt und Nichts unbeendet gelassen hätten, was einmal vonihnen angefangen worden. Was hätte mit solchen Truppen ein solcherFeldherr nicht vollbringen können I

Die Belagerungsarbeiten wurden so rasch wie irgend möglich aus-geführt. Inzwischen ging die Nachricht ein, dass Vercingetorix sichAvaricum genähert und mit seinem leichten Fussvolk und seiner Keitereisich in ein Versteck gelegt habe nahe dem Orte, wo die zum Fouragirengehenden römischen Truppen vorüber mussten. In Folge dessen brachCäsar bei Nacht in grösster Stille mit dem grössten Theile seines Heereszu dem Lager der feindlichen Armee auf, vor dem er gegen Morgen an-langte. Die Gallier schickten sogleich ihre Bagage nach rückwärts inden Wald und nahmen auf einer Anhöhe Stellung, welche von einer50 Fuss breiten sumpfigen Niederung umgeben war; die herüberführen-den Brücken brachen sie ab, die Furten wurden stark besetzt. Als Cäsarsich überzeugt hatte, dass ein Angriff auf diese Stellung ohne schwereOpfer nicht ausführbar sei, ging er in sein Lager zurück, und daran thater gut und hatte vorsichtig gehandelt. Man könnte vielleicht nur bemer-ken, dass er seiner Armee den vergeblichen Hin - und Hermarsch hättesparen können, wenn er die Lage des gallischen Lagers vorher mit sei-ner Cavallerie persönlich recognoscirt gehabt hätte, aber dann wäreallerdings auch ein unvermutheter Ueberfall, wie er ihn beabsichtigte,unmöglich gewesen.

Nach Cäsar's Kückzug kehrte auch Vercingetorix aus seinem Hinter-halt zurück; er wurde mit allgemeiner Unzufriedenheit empfangen undsogar des Verrathes beschuldigt, weil er die gesammte Reiterei mit sichgenommen, sich den Kömern genähert, sein Heer verlassen und dasselbeder Gefahr, angegriffen zu werden, ausgesetzt habe. Aber er beriefeinen Kriegsrath und wies vor demselben in so überzeugender Weise dieBeweggründe seines Handelns nach, dass er den allgemeinen Beifallseines Heeres fand und das Vertrauen zu sich wieder herstellte. DieserZwischenfall ist deswegen interessant, weil er zur Vergleichung beiderFeldherren und ihrer Heere zu jener Zeit dient.

Die Belagerung der Stadt Seitens der Römer ging nur mit grosserMühe vorwärts, aber die Vertheidigung ward Seitens der Belagerer auchmit nicht geringer Kunst geführt. Inzwischen traten Regengüsse und Kälteein, und die Belagerten fassten den Entschluss aus der Stadt zum Heeredes Vercingetorix zu fliehen; da aber keine Möglichkeit war, die Frauenund Kinder mit sich zu nehmen, und sie diese doch nicht verlassenwollten, so gaben sie diesen Entschluss wieder auf, zu ihrem Schaden,

Galitzi,n, Allgem. Kriegsgeschichte. 1,4. g