80 HL Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
§. 267.
Belagerung von Avarieum. Ereignisse während dieser Zeit
und nachher.
Nun beschloss Cäsar, Avarieum (Bourges) zu belagern, die bedeu-tendste Stadt der Bituriger, wobei er hoffte, mit ihrer Einnahme dieganze Umgegend zu unterwerfen.
Vercingetorix entwarf dagegen jetzt einen Operationsplan, welcherseiner kriegerischen Begabung alle Ehre macht. Er beschloss ganz an-ders gegen Cäsar zu operiren, als es die Gallier bis dahin gethan hatten,nämlich nicht im offenen Felde ihn zu bekämpfen, sondern durch Ver-wüstung und Verheerung des Landes, Abschneiden der Zufuhr der Bö-mer an Lebensmitteln und Fourage und Entziehung der Mittel zu derenBeschaffung, besonders der der Fourage, welche die Römer für ihrezahlreiche Cavallerie sehr nöthig hatten. Dies musste die Römer zumFouragiren auf weitere Entfernungen veranlassen, wobei dann die Gal-lier ihre einzelnen Abtheilungen schlagen konnten. Mit einem Wort —Vercingetorix, der hinter seinem Rücken ein noch nicht ausgesogenesLand hatte, wollte die Römer aushungern und sie, ohne sich in einen all-gemeinen Kampf einzulassen, einzeln besiegen. Dieser, in Bezug aufsein eignes Land allerdings grausame Plan des Vercingetorix verdienthinsichtlich des den Römern entgegengestellten Widerstandes besondereBeachtung.
Bald übte er auch seine Wirkung auf die Römer wirklich aus. Mehrals zwanzig Städte im Biturigischen und die Dörfer in der Umgegendvon Avarieum wurden niedergebrannt. Avarieum selbst blieb auf dieBitten seiner Bewohner verschont, weil es eine zu seiner Vertheidigunggünstige Lage hatte. Vercingetorix bezog auf 15 römische Meilen (=21Werst =3 3 deutsche Meilen) davon ein befestigtes Lager, erhielt täglichgenaue Nachrichten von dem Gange der Belagerung, erkundete die Um-gegend , namentlich die Orte, wo die Römer fouragirten, und griff diedamit Beschäftigten an, wo es irgend möglich war.
Avarieum war auf allen Seiten von einem. Flusse (heute Evres, einlinker Zufluss der Loire) und von Sümpfen umgeben, zwischen welchennur ein schmaler Zugang zur Stadt führte. Dort Hess Cäsar eine Erd-schanze, von Mantelets und zwei Thürmen geschützt, aufwerfen; eineContravallationslinie zu ziehen verbot die Lage der Stadt. Aber es tratein immer wachsender Mangel an Proviant und Fourage ein, so dass dieTruppen während einiger Tage ohne Brod und Korn waren. Indessenertrugen sie alle Entbehrungen mit grösster Geduld und ausserordent-licher Standhaftigkeit und murrten nicht ein einziges Mal. Cäsar schlug