Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
75
Einzelbild herunterladen
 

38. Kriege und Feldziige Julius Cäsar's (5845 v. Chr.). 75

zum Abmähen des Getreides, welchen sich in Hoffnung auf Beute auchdie Nichteombattanten und Reconvalescenten angeschlossen hatten. Ge-rade in diesem Augenblick erschienen plötzlich von der anderen Seiteher aus dem Walde die Sigambrer vor Cicero's Lager und versetzten dieschwache Besatzung in die höchste Bestürzung (d. h. also es warenrömischer Seits nicht die nöthigen Vorsichtsmassregeln getroffen). Alsdie Sigambrer die mit Getreide zurückkehrenden Cohorten bemerkten,wandten sie sich gegen diese. Den Letzteren gelang es zum Glück nachheftigem Kampfe, wenn auch mit Verlust, sich zu ihrem Lager durchzu-schlagen , denn sonst wären Cicero's Truppen von der höchsten Gefahrbedroht gewesen. Die Sigambrer zogen sich über den Rhein zurück, undbald nachher erschien Cäsar mit seinen Soldaten. Er ertheilte dem CorpsCicero's einen strengen Verweis wegen Alles dessen, was ihre grobeNachlässigkeit verschuldet hatte, namentlich deswegen, weil die Cohor-ten auf Fouragirung ausgeschickt worden waren. Dann setzte er seinUnternehmen fort.

Nachdem das Land der Eburonen gänzlich verwüstet und die Be-wohner niedergemacht worden, mit Ausnahmer einiger Weniger, die sichgerettet hatten (darunter Ambiorix selber), wandte Cäsar, der bei diesemZuge zwei Cohorten eingebüsst hatte, sich nach Durocortorum (h. Reims)im Lande der Remer. Dann legte er sechs Legionen in das Senonische(heute Sens zwischen mittlerer Loire und oberer Seine), zwei in das Landder Trevirer und zwei in das der Lingonen (heute Langres an der oberenSeine), er selbst reiste nach Italien.

Die kurzen unbedeutenden Feldzüge dieses Jahres sind durch diegeschickten Entwürfe und Dispositionen, wie durch die raschen entschie-denen Bewegungen Cäsar's ausgezeichnet, durch welche Dieser demgrossartigen und gefahrdrohenden Aufstande des Ambiorix und seinergallischen und germanischen Verbündeten im nordöstlichen Gallien (demheutigen nordöstlichen Frankreich und südöstlichen Belgien) zuvorkam.Obgleich dies mit der Plünderung und Verheerung des feindlichen Ge-biets verknüpft war, so war zu jener Zeit unter solchen Umständen, undeinem Volke wie die Gallier gegenüber, dieses Mittel nicht allein demallgemeinen Gebrauche nicht zuwider, sondern es war sogar eins derwirksamsten Mittel die gallischen Stämme zu schrecken und im Friedenzu erhalten. Aber das unglückliche Ereigniss bei Aduatuca, bei dem rö-mischen Heere höchst selten und erstaunlich, fällt dem Cicero zur Schuld,der bis dahin sich stets ordentlich und tapfer erwiesen, hier aber unbe-greiflicher Weise, durch das Zusammentreffen^ ungünstiger Umständeüberwältigt, eine grosse Unordnung gezeigt hat und fast noch grösseresElend verursacht hätte.