Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

38. Kriege und Feldzüge Julius Cäsar's (5845 v. Chr.). 71

in Gallien gesichert, indem er die Britannier für ihre (zweifelhafte, Unter-stützung der Gallier bestraft und von ihnen Geiseln entnommen hatte,auf dass sie in Zukunft nicht feindselig gegen die Kömer auftreten sollten.

Nach seiner Rückkehr nach Gallien war die weitläuftige Dislocirungseiner Armee in die Winterquartiere in Nordgallien, das Centrum derEmpörung, höchst unklug und unvorsichtig, sie lässt sich nicht durchden ihr untergeschobenen Vorwand Misswachs und schlechte Ernterechtfertigen und wird von allen Kriegsschriftstellern für einen grossenFehler erklärt, der denn auch die Vernichtung der ganzen Legion desSabinus, und beinahe auch eine ähnliche Vernichtung der Legion Cicero'szur Folge hatte; und wenn der Letztere gerettet und einem allgemeinenAufstande der Gallier vorgebeugt wurde, so lag dies nur in den dem-nächstigen ebenso klugen und geschickten, als raschen und entschie-denen Massregeln und Handlungen Cäsar's.

Was den Legaten Sabinus anbelangt, so hatte er, der bislang stetsProben von Muth und Tapferkeit, gepaart mit weiser Vorsicht, gegeben,diesmal in unbegreiflicher Weise sehr grobe Fehler gemacht, welche auchseinen und seiner Legion Untergang herbeiführten und die erste bedeu-tende Niederlage verursachten, die Cäsar's Waffen in Gallien erlitten.Der Hauptfehler des Sabinus bestand darin, dass er dem klugen Rathedes Cotta und der Unterfeldherren kein Gehör schenkte, welche ihm zu-redeten in seinem Lager zu bleiben und sich darin zu vertheidigen,sondern sich zu Unterhandlungen mit dem arglistigen Ambiorix verleitenHess, mit allen seinen Truppen aus dem Lager abrückte zur Vereinigungmit Labienus. während des Marsches nicht die erforderlichen Vorsichts-massregeln traf, und so in den Hinterhalt fiel, in dem er erschlagen undseine Legion aufgerieben wurde. Er hätte ebenso, wie es später Cicerothat, sich in seinem Lager halten und zur Wehre setzen müssen, wie ihnCäsar angewiesen hatte, keinenfalls aber sich mit den Galliern in irgendwelche Verhandlungen einlassen dürfen. Die von ihm während desMarsches getroffenen Anordnungen waren unverzeihlich und hatten denunvermutheten Ueberfall der Legion durch die Gallier im Walde aus demVersteck, und von allen vier Seiten zugleich, zur Folge. Die Schuld vonalledem fällt vorzugsweise auf Sabinus, allerdings auch auf Cotta, derim Oberbefehl ganz gleich berechtigt neben ihm stand, und besondersauf Cäsar, weil er nicht Einem von Beiden den alleinigen Oberbefehl über-tragen hatte. Es ergaben sich daraus Zwistigkeiten zwischen beidenLegaten, welche weitere schädliche Folgen der überflüssigen Eile Cotta'sund der unbegreiflichen Thorheit und Sorglosigkeit des Sabinus herbei-führten.

Das Verhalten des Legaten Cicero nebst seiner Legion verdient da-gegen das höchste Lob und ist ein Beweis für "den ausgezeichneten Geist