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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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38. Kriege und Feldzüge Julius Cäsar's (öS45 v. Chr. 1 - 69

störte. Einer der vornehmsten Fürsten des in der Gegend des heutigenChartres wohnenden Stammes, Tasgetius, wurde öffentlich ermordet.Heine Voreltern waren schon im Besitz dieses Landes gewesen, er selberwar wegen seines Ansehens, seiner Tapferkeit und der den Römerngeleisteten Dienste durch Cäsar in der Nachfolge seiner Vorfahrenspeciell bestätigt worden. Seine Ermordung durfte nicht ungestraftbleiben, und Cäsar befahl dem Legaten Plancus mit seiner Legion ausBelgien in das heutige Chartres zu rücken, um die Mörder zu ergreifenund sie vor ihn zu bringen.

Es war aber danach kaum eine Woche verflossen, als im Landeder Eburonen (heutige Provinz Lüttich) die Stammesfürsten Ambiorixund Catuvolous schon einen neuen Aufstand erregten. Einerseits inFolge der Verrätherei des Ambiorix, andererseits in Folge der unver-zeihlichen Unüberlegtheit und Verzagtheit des Legaten Titurius Sabinus,der nicht auf die weisen Rathschläge seiner erfahrenen Centurionen undTribunen hörte und sich in Unterhandlungen einliess, gelang es denEburonen, indem sie aus einem Versteck im Walde die im Marsche be-findliche Legion von allen Seiten angriffen, dieselbe gänzlich aufzu-reiben ; Sabinus selbst fiel nach tapferer und verzweifelter Gegenwehr.

Darauf eilte Ambiorix in Geschwindmärschen durch das Land derAduatuker und Nervier, welche er durch Uebertreibung des Geschehe-nen und durch Versprechungen zur Theilnahme am Aufstande bewegte.Mit seinem täglich an Kräften Zuwachs erhaltenden Heere griff er nundie Legion des Legaten Cicero in ihren Winterquartieren an. Vergeb-lich suchte Cicero dem Cäsar durch Eilboten von der Gefahr Nachrichtzu geben, in welcher er sich befand: alle Wege waren abgeschnitten,alle Boten wurden ergriffen. Am nächsten Tage erneuerten die Gallierihren Angriff und dieselbe Kriegslist, welcher sie sich mit solchem Er-folge gegen Sabinus bedient hatten: Cicero setzte sich standhaftzur Wehre und verwarf jegliche Unterhandlung. Die Gallier umgabensein Lager von allen Seiten mit Erdwall und Graben, steckten die Hüt-ten und Baracken der Römer mittelst glühender Thonkugeln und feuri-ger Pfeile in Brand und brachen von allen Seiten zum Sturm gegen ihrLager vor. Allein die Römer vertheidigten sich so standhaft und tapfer,dass die Gallier unter grossem Verluste abgeschlagen wurden. Endlich,nachdem die tapfere Legion ganz unglaubliche Bedrängniss und Schwie-rigkeiten ausgestanden hatte, gelang es dem Cicero, Cäsar von seinerverzweifelten Lage zu benachrichtigen.

Cäsar traf sofort Anordnungen zur Concentration der nächsten Le-gionen : des Crassus, Fabius und Labienus, und brach mit zweien der-selben (ungefähr 7000 Mann zu Fuss und 400 Mann zu Pferde) in Ge-sehwindmärschen gegen das Land der Nervier (heute Hennegau) auf.