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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
Entstehung
Seite
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(iS III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

und südliche Belgien. Cäsar selbst blieb in Gallien so lange bis seineArmee sich in den Winterquartieren vollständig eingerichtet und die-selben in zuverlässiger Weise b'efestigt und gesichert hatte. In seinenCommentaren bemerkt er, dass die Winterquartiere der Legionen (aus-genommen die Legion des Legaten Roscius) nicht weit von einander ent-fernt lagen auf einem Raum von etwa 100 römischen Meilen (140 Werst= 20 deutschen Meilen) Länge. Darin muss aber irgend ein Fehler ent-halten sein, weil die Seiten des Dreiecks Terouanne Lüttich Reimsjede über 190 bis 210 Werst (2830 deutsche Meilen) lang sind, undauf diese Weise die Winterquartiere der Legionen zu weit von einanderentfernt waren, um im Falle eines Aufstandes und plötzlichen Angriffesder Gallier den Legionen zu ermöglichen, rechtzeitig einander zu unter-stützen (was denn auch eintraf). Dass Cäsar dies nicht vorhersah unddem vorbeugte, indem er die Legionen in seiner alten gewöhnlichenWeise dislocirte, das lässt sich nicht durch die schlechte Ernte erklären,denn er hätte ja Vorrathsmagazine errichten können.

Indessen war Gallien, namentlich das nördliche, nur äusserlichruhig, in der That aber zu jeder Stunde bereit das römische Joch abzu-werfen. Nicht allein die untersten Classen des Volkes, sondern vor-zugsweise die vornehmsten und reichsten waren in grausamer Weise be-drückt, und die Fürsten der Stämme fühlten sich in ihrer Macht einge-schränkt und ihr Ansehen vernichtet. Viele waren verarmt, weiteStrecken verwüstet, einer Menge von Einwohnern blieb nur noch wenigzu verlieren übrig. In Beziehung auf diese Art von Völkern waren dieRömer in jenen Zeiten viel zu wenig nachsichtig oder rücksichtsvoll, umihre Subsistenzmittel zu schonen. Die ökonomische und finanzielleLage des besetzten feindlichen Landes kam damals bei der Dislocationder Armee in demselben durchaus nicht in Betracht. Man muss daherannehmen, dass Cäsar vielleicht um deswillen weder die Entfernungnoch sonstige triftige Gründe zu einer mehr concentrirten Verlegungseiner Armee in Erwägung zog, weil er hoffte, dass kein einziger dergallischen Stämme sich zu erheben wagen werde, da dies schon vielenvon ihnen theuer zu stehen gekommen war. Aber das beleidigte Natio-nalgefühl und die Verzweiflung waren stärker als die Ueberlegung.Uebrigens ist aus Cäsar's Commentaren nicht zu ersehen, ob ein allge-meiner Sammelplatz für einige oder für sämmtliche Legionen be-stimmt war*).

Trotzdem aber Cäsar vielleicht annehmen durfte, dass alle Vor-sichtsmassregeln in genügender Weise getroffen seien, trat nun einEreigniss ein, das die Ruhe plötzlich in der unangenehmsten Weise

*) Lossau I. B. I. Abth. S. 379.