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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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37. Kriege und Feldzüge Julius Cäsar's (5845 v. Chr.). 59

in Winterquartiere und reiste in das cisalpinische Gallien. Von allenbritannischen Stämmen schickten ihm nur zwei die Geiseln.

So war denn also Cäsar's Unternehmen gegen die Britannier ebensounzeitig und erfolglos gewesen, als sein Feldzug über den Rhein gegendie Germanen. Der Zweck des letzteren ward, wie gesagt, nicht er-reicht, weil Cäsar die Sigambrer nicht zwingen konnte, ihm die Reitereider Usipeter und Tenchterer auszuliefern, und die Sueven nicht zu unter-werfen vermochte, welche vielmehr durch ihre drohende Haltung undErgreifen der Warfen ihn zur Rückkehr über den Rhein veranlassten.Zu der wichtigen und schwierigen See-Expedition gegen die Britannierhatte er nicht die zur Sicherung derselben unerlässlichen Vorbereitungengetroffen, hatte er zu wenig Schiffe und Fussvolk und gar keine Caval-lerie bei sich, welche doch in einem Lande wie Britannien und gegensolche Schaaren wie die britannischen, deren Hauptkraft in den Streit-wagen und der Reiterei lag, ganz unentbehrlich war. Seine ersten Unter-nehmungen gegen die Usipeter und Tenchterer liefen dem Völkerrechteund der Gerechtigkeit zuwider, der Sieg über diese beiden Stämme aberwar leicht, denn wenn sie wirklich auch 430,000 Köpfe stark über denRhein gegangen waren, so konnten doch vermuthlich davon nur etwa80,000 Mann die Waffen führen, und diese waren nicht im Stande, denacht ausgezeichneten Legionen Cäsar's, verstärkt durch die gallischenHülfstruppen, Widerstand zu leisten. Deswegen aber wurden die Opera-tionen Cäsar's in diesem Jahre überhaupt, sowohl die gegen die Usipeterund Tenchterer, als jene gegen die Germanen und Britannier, von Seitender politischen Feinde Cäsar's in Rom theils streng getadelt, theilsscharf bespöttelt, ja sie erklärten es sogar noch für ein besonderes Glück,dass Cäsar überhaupt wohlbehalten ans Britannien zurückgekehrt sei.Cato namentlich erhob sich gegen diese Thaten Cäsar's. Nichts destoweniger ordnete der römische Senat an, dass den Göttern zwanzig Tagelang öffentliche Danksagungen dargebracht würden, ein unerhörtesExempel, denn bis dahin hatten solche Dankfeste nie länger als dreiTage gedauert!

Auch die Kriegsschriftsteller der neueren Zeit urtheilen über dasVerhalten Cäsar's bei den ersten Unternehmungen gegen die Germanenund Britannier ziemlich streng, aber gerecht. Sie finden, dassCäsar in seinen Aufzeichnungen, in dem Wunsche, sich zu rechtfertigen,die Facta nebst ihren Ursachen und Folgen unrichtig darstellt, dasser keineswegs den politischen und kriegerischen Vortheil des römischenStaates, sondern nur seine eigenen Interessen, Erlangung vonRuhm, Bedeutung und Ansehen in den Staatsangelegenheiten, und wahr-scheinlich auch von Reichthümern in Britannien, deren er für seine poli-tischen Zwecke bedurfte, im Auge hatte; dass, hierdurch zu stark ver-