32 HI. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Ohr.).
iin seiner »Stelle auf einige derselben hingewiesen. Ausserdem bemerkenwir, dass es unbekannt und unverständlich ist, warum er nicht früherschon von den Streitigkeiten und inneren Fehden der Gallier vor seinerAnkunft in Gallien, wie von der Macht und dem Verhalten Ariovist's ge-hört hatte"? — warum er nicht die Reiterei und 16,000 Mann Fussvolk.welche Ariovist zur Verhinderung der Befestigung des kleinen Lagersgesandt hatte, schlug und zersprengte ? — warum in der Schlacht gegenAriovist (die er nicht klar genug darstellt) er sich nicht auf dem linkenFlügel seines Heeres dem stärkeren rechten Flügel der Germanengegenüber befand ? Zum Schluss ist zu sagen, dass, obgleich er dieFeldzüge gegen die Heivetier und Ariovist zwei wichtige Kriegenannte, dies doch gar nicht richtig ist, und dass — in Uebereinstimmungmit der Ansicht Napoleon's I. — es der von Cäsar geführten römischenArmee gar keine grosse Mühe kostete, über die zahlreichen und tapfern,aber unwissenden und ohne reguläre und richtige Formation kämpfendenHelvetier und Germanen zu triumphiren, obgleich dies im Uebrigen denVerdiensten und dem Ruhme Cäsar's in keiner Weise Abbruch thut.
§. 256.
Zweites Kriegsjahr in Gallien (57).
Dritter Feldzug gegen die Belgier; Treffen am Flusse Axona.
Während des Winters erfuhr Cäsar, dass die Belgier, besorgt, dasser in ihr Land einfallen werde, und von vielen celtischen Galliern aul-gereizt, ein starkes Bündniss gegen die Römer geschlossen und sich zudessen Bekräftigung gegenseitig Geiseln gestellt hätten. Im Stillenfreute er sich gewiss über diesen Vorwand, sie mit Krieg zu überziehenund zu unterwerfen, er beschloss daher ihnen zuvorzukommen und denKrieg in ihr eignes Gebiet zu tragen, was in kriegerischer Beziehungsehr zweckmässig, in politischer dagegen gar nicht gerechtfertigt war.Er warb im cisalpinischen Gallien zwei neue Legionen an (die dreizehnteund vierzehnte) und schickte sie zu Anfang des Sommers in das celtischeGallien, er selbst traf bei der Armee ein, sobald das Futterkraut heraus-kam. '■) Den den Belgiern benachbarten celtischen Galliern hatte er aus-zukundschaften aufgetragen, was bei den Ersteren vorginge, und erfuhrnun, dass die Belgier in der That ein starkes Heer zusammenbrächten.
*) Im Mai nach römischem, oder nach Napoleon's I. Meinung im Februarnach Julianischem Kalender, d. h. zu Anfang des Sommers, nicht des Früh-jahrs, was insofern nicht wahrscheinlich ist, als das Futterkraut im kalten Gal-lien erst spät hervorsprosste.