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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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36. Kriege und Feldzuge Julius Cäsar's (5845 v. Chr.). 31

ihnen entgegen mit solchem Ungestüm los, dass sie ihre Wurfspiessenicht einmal abwerfen konnten und sofort in das heftigste Handgemengekamen. Die Germanen fochten in eng geschlossenen Phalangen, sichmit den zusammengehaltenen Schilden deckend; indessen brachten dierömischen Krieger sie bald in Unordnung, drängten sie zurück und trie-ben sie in die Flucht. Der rechte, an Stärke überlegene Flügel der Ger-manen aber hatte inzwischen den linken Flügel der Römer stark in dieEnge getrieben, bis der junge Crassus (Sohn des Triumvirs), welcherdie Cavallerie dieses Flügels commandirte, die erste und zweite Liniedurch die dritte verstärkte. Dies entschied den Sieg zu Gunsten Cäsar's;bald ward gleich dem linken auch der rechte Flügel der Germanen inUnordnung gebracht und geworfen, und alle Germanen flohen unaufhalt-sam zum Rhein, der vom Schlachtfelde 50 Meilen (ca. 70 Werst = 10deutsche Meilen) entfernt war. *"] Ein Theil von ihnen schwamm durchden Rhein, ein anderer, darunter Ariovist, fuhr auf am Ufer gefun-denen Nachen über; alle übrigen wurden von Cäsar's verfolgender Ca-vallerie niedergehauen.

Dieser Sieg setzte die Sueven, welche an das rechte Rheinufer ge-kommen waren, so in Angst, dass sie eiligst in ihr Land zurückkehrten,verfolgt von den am Unterrhein (bis gegen das h. Köln hin) wohnendenUbiern, welche eine Menge derselben niedermachten.

Nachdem Cäsar solchergestalt zwei Feldzüge in einem Jahre glän-zend beendet hatte, legte er seine Truppen früher als gewöhnlich inWinterquartiere im Lande der Sequaner und kehrte, nachdem er demLabienus den Oberbefehl übergeben hatte, für seine Person in das cisal-pinische Gallien zurück, um, wie er in seinen Aufzeichnungen sagt, beiden allgemeinen Volksversammlungen (Landtagen) zugegen zu sein,in Wahrheit aber, um sich näher bei Rom zu befinden und aufmerksamalle inneren Angelegenheiten dort verfolgen zu können.

Ueber Cäsar's Thaten in dem Feldzuge gegen Ariovist kann man imAllgemeinen dieselben Bemerkungen machen, wie über sein Verhaltenin dem Feldzuge gegen die Helvetier. Cäsar machte auch hier seine un-gewöhnlichen kriegerischen Fähigkeiten, eine lobenswerthe Mässigung.Klugheit und ausserordentliche Schnelligkeit geltend, denen er grossen-theils seine Erfolge verdankte; er hatte aber noch nicht die nöthige Er-fahrung in der Kriegführung erlangt, und da er sich und seinem Glücknoch nicht vollkommen traute, so handelte er äusserst vorsichtig, behut-sam, und machte einige ziemlich erhebliche Fehler. Oben wurde schon

") Der Ort dieser Schlacht zwischen Cäsar und Ariovist ist nicht genall bekannt,er niuss zwischen Besangon und Basel gelegen haben, nach Napoleons I. Meinungetwa bei Befort oder Beifort im Elsass.