28 HI. Vom Tode Alexander'» d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
Cäsar war auch hiermit einverstanden; da er aber seiner gallischen Rei-terei nicht ganz traute, so Hess er sie absitzen und die Krieger seiner ge-liebten zehnten Legion sich auf ihre Pferde setzen. Am festgesetzten Tagebegaben sich Cäsar wie Ariovist, Jeder von zehn Verwandten oder Ver-trauten zu Pferde begleitet, auf einen ziemlich grossen Hügel inmitteneiner weiten Ebene zwischen den Lagern der beiden Heere. Die Reitereiblieb auf beiden Seiten je 200 Schritt vom Hügel entfernt halten. Cäsarwiederholte dem Ariovist seine früheren Forderungen und erhielt einegleich hochmüthige, prahlerische und verwegene Antwort, mit dem Hin-zufügen, dass die Gallier selber ihn Ariovist) herbeigerufen hätten, dassder von ihm unterworfene Theil Galliens ihm durch das Recht der Er-oberung gehöre, dass die Römer dort gar Nichts zu thun hätten, dassCäsar selbst, wie er (Ariovist) glaube, die Absicht habe Gallienzu erobern, und dass, wenn er nicht abziehe, Ariovist gegen ihn wiegegen einen Feind verfahren werde, da er ja sogar wisse, dass erdurch seine tCäsar's) Tödtung im Kampfe seinen politi-schen Feinden in Rom einen grossen Dienst erweisenwerde, welche den Ariovist dessen mehr als einmalversichert hätten; wenn Cäsar Gallien räume, so werde aus Dank-barkeit dafür Ariovist ihn nicht beunruhigen, ja sogar, wenn nöthig,ihm Unterstützung leihen. Ohne Zorn und Heftigkeit, kaltblütig undruhig erwiderte Cäsar, indem er Ariovist's Auslassungen widerlegteund den vermeintlichen Ansprüchen desselben auf Gallien (das celtische)die wirklichen (nach Cäsar's Worten, in der That aber ebenso unbe-gründeten) Rechte der Römer auf dasselbe entgegenstellte. Inzwischenhatte die den Ariovist begleitende Reiterei sich allmälig dem Hügel ge-nähert und begann auf Cäsar und die bei ihm befindlichen PersonenPfeile und Steine zu schleudern. Als Cäsar dieses arglistige Verhaltengewahr wurde, brach er sofort die Unterhandlungen ab und entferntesich, seiner Cavallerie untersagend, die Würfe der Germanen in gleicherWeise zu erwidern, denn er wollte, dass seinerseits nicht ein Schattenvon Wortbruch vorläge. Der Hochmuth, die Frechheit und Arglist er-füllten die Truppen Cäsar's mit dem heftigsten Unwillen und erhöhtenoch ihren Eifer zum Kampfe.
Zwei Tage darnach Hess Ariovist um eine erneute Unterredung bit-ten, oder wenigstens um die Sendung von Vertrauens-Personen behufsFortsetzung der Unterhandlungen. Cäsar wollte keinenfalls wieder zuder Zusammenkunft sich persönlich einfinden, noch irgend einen Römerin Gefahr bringen; da er aber dem Ariovist keinen absolut abschläglichenBescheid geben mochte, so schickte er den Valerius Procillus, einen ge-bornen Gallier, der römischer Bürger genannt wurde, und den Mettius.welcher durch Bande der Gastfreundschaft mit Ariovist verknüpft war, zu