96
Totentanz.
Alice [kommt, in hellstem Sommerpromenadenanzug,mit Sonnenschirm]. Guten Morgen, Kurt! [Gibt ihmmit den Augen einen Wink, daß Allan hinausgehen soll.]
Kurt [zu Allan]. Verlaß uns!
Allan [geht nach rechts].
Alice [setzt sich auf das Sofa links].
Kurt [auf einen Stuhl daneben].
Alice [verlegen]. Er kommt gleich nach, so daß dunicht geniert zu sein brauchst.
Kurt. Warum sollte ich das sein?
Alice. Mit deinen strengen Begriffen . . .
Kurt. Gegen mich selbst, ja!
Alice. Jawohl! . . . Ich vergaß mich einmal, als ichin dir den Befreier sah, aber du behieltest die Geistes-gegenwart . . . und darum haben wir ein Recht, zu ver-gessen — was nie gewesen ist!
Kurt. Vergiß es denn!
Alice. Indessen ... ich glaube nicht, daß er ver-gessen hat...
Kurt. Du meinst die Nacht, als er im Herzkrampfniederfiel . . . und du zu zeitig jubiliertest, im Glauben,er sei tot?
Alice. Ja! . . . Seitdem hat er sich erholt, aber alser zu trinken aufhörte, lernte er schweigen, und jetzt ister furchtbar. Er hat etwas vor, das ich nicht begreife . . .
Kurt. Alice, dein Mann ist ein gutmütiger Narr,und er zeigt mir eitel Freundlichkeit...
Alice. Hüte dich vor seinen Freundlichkeiten! Ichkenne sie!
Kurt. Nun, nun!
Alice. Er hat dich also auch verblendet! .. . Siehstdu die Gefahr nicht, bemerkst du die Schlingen nicht?