72
Annahme musste die Darstellung des Todes als Skeletl inDeutschland um die Mitte des 12ten Jahrhundertsschon gang und gäbe sein, da im Reinardus mlpes eineknöcherne Geige (ein Pferdeschädel nämlich, der als solchedem Wolf spöttisch gereicht wird) ossea ut dominus Bli-cero heisst, worunter nach Grimm nichts anders als derbleiche oder bleckende Tod, etwa mit dem deutschenEigennamen Bit dg er oder Blicker, genannt seinkann 23 . Douce's Annahme, dass der „beständige" An-blick der vielen als Reliquien verehrten Schädel und Ge-beine der Heiligen auf jene Vorstellung geführt habe 24 ,scheint ziemlich weit hergeholt. Sollte der Tod einmalals Schreckbild erscheinen, so lag es ohncdas nahegenug, ihn durch das scheusliche, nach der Verwesungdes Leibes zuletzt übrig bleibende Knochengerüst zu ver-sinnlichen, und hiedurch, wie auch anderweit durch sym-bolische Deutung aller ihm fehlenden Theile wurdedas Bild des Kn o ch e nm a n nes ohne Augen, ohne Maul,ohne Ohren , ohne Nase , ohne Kleider , ohne Fleisch,ohne Herz, ohne Magen, ohne Schönheit und ohne Ge-schlecht von dem alten Hil scher 25 in seiner treuher-zigen, obzwar sehr breiten und trivialen Manier ge-nügender, als von Douce motivirt. Bei allem Grauen übri-gens, welches der Knochenmann erweckt und erwecken