68
bezeugt, weder Altäre noch Lobgesänge x geweiht hatte 2und dessen Vorstellung nicht so völlig, wie die andrer,ursprünglich auch nur allegorischer Gottheiten, in derPhantasie des Volks und der Künstler in Fleisch und Blut(geschweige denn in Knochen und Bänder) übergegangenwar. Persönlich erscheint der Tod, nicht als Gegenstanddes Kultus, sondern selbst nur im Dienste der Poesie,wie in Euripides' Alkestis, wo er die Bühne betritt undwo Herakles ihn als den Herrscher im schwarzen Ge-wände 3 bezeichnet. Doch so wenig wie der Stahl, dener eben da führt, um den Sterbenden die Haare abzu-schneiden 4 , oder wie die Flügel, die übergeschlagenenFüsse, der Kranz, die Urne und die umgekehrte Fackel,war für den Fürsten der Schatten die ihm besonders aufdie Autorität einer Stelle im Pausanias 5 beigelegte schwarzeFarbe unerlässlich, wie Lessing anzunehmen scheint;denn wo vom Tode Hypsenors die Rede ist, nennt Homerihn den purpurroten 6 , was freilich wohl nur den bluti-gen Tod in der Schlacht bedeuten soll. Die schwarzeFarbe war allerdings dem Unstern Sohn der Nacht 7 amangemessensten, und so begegnet er uns auch schwarzgeflügelt beim Horaz 8 , der beiläufig bei seinen häutigenBetrachtungen und weltbekannten Gemeinplätzen überden Tod, wenn überhaupt an eine Verkörperung dessel-