230Stettin war gleich nach der Kriegserklärung Preußenseingeschlossen und ernstlich belagert worden. Der allgemeineWaffenstillstand unterbrach die Belagerung, welche aber nachdemselben kräftig fortgesetzt wurde. Bald herrschte auch inStettin der fühlbarste Mangel und die Einwohner unterlagenden größten Bedrückungen. Da nun die Belagerer immerweiter vorrückten und die Festung immer heftiger beschossenentschloß sich der Commandant *) zur Capitulation. Diese kamam 21. November zu Stande, ward aber von den Heerfürstennicht genehmigt, und so wurde am 30. November eine neuegeschlossen, nach welcher die ganze Besatzung kriegsgefangenward. Sie zählte 8000 Mann, unter welchen 1400 Holländer,welche nach ihrer Heimath entlassen wurden. An Geschütz fandendie Verbündeten 351 Stück.Das Schicksal Danzig's war ein sehr trauriges. Frühereine freie Stadt, war Danzig in der letzten Hälfte des acht-zehnten Jahrhunderts unter preußischen Scepter gekommen.Im Frieden von Tilsit riß Napoleon die Stadt wieder vonPreußen los und gab ihr eine freie Verfassung. Doch war dasnur ein politisches Gaukelspiel, denn er hielt fortwährend dieStadt besetzt und machte sie durch große Anlagen und Neu-bauten zu einem der festesten Plätze. Nach dem Rückzuge ausRußland wurde die Besatzung Danzig's auf 30,000 Manngebracht und General Rapp leitete ihre VertheidigungAnfangs wurde sie nur von Kosacken eingeschlossen, erst späterkamen Fußtruppen und Geschütz. Im April wuchs die Bela-*) General Grandeau, ein habsüchtiger und von seinen eignenTruppen verspotteter Mann.
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