Druckschrift 
1813, 1814, 1815 : Volksbuch
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54den Schnee, zu ihrem Obdach den bloßen Himmel; vorHunger gepeinigt, war ihnen ein Pferdeknochen ein LeckerbissenUnd hungrig und erfroren, waren sie den fortwährendenAngriffen des verfolgenden Feindes ausgesetzt, mußten sichschlagen während sie vor Ermattung sich kaum aufrecht erhaltenwährend sie vor Erstarrung ihre Waffen kaum handhabenkonnten. Das Elend war fürchterlich. Tausende erfrorenTausende fielen von feindlichen Kugeln, Tausende, unfähig sichfortzuschleppen, geriethen in die Gefangenschaft der Feindenoch glücklicher als ihre Gefährten.Weiter und weiter ging der Rückzug, härter und härterwurde der Winter, immer entnervender der Mangel, immerhäufiger der überall heranziehende Feind und immer mehrschmolz die große Armee zusammen. Ihre Spur war leichtzu finden, denn der Weg, den sie zurückgelegt hatte, warbedeckt mit zurückgelassenem Gepäck, mit todten Pferden, mitstehen gebliebenen Wagen und Heergeräth, mit weggeworfenenWaffen und erfrornen oder getödteten Kriegern. Am17. November wurde Smolensk erreicht hier lagen frischeTruppen aber der Rückzug war nicht mehr zu hemmendem immer stärker anrückenden Feinde war nicht mehr Standzu halten. Weiter ging es rückwärts. Längst war alle Ordnungim Heere aufgelöst, die große Armee war ein Haufen verwilderter,vor Mangel und Kälte halb wahnwitziger Menschen, welcheflohen und flohen, um das nackte Leben zu retten. Nach demUebergang über die Berescina verließ Napoleon das Heer,ging nach Paris, und übergab den Oberbefehl an MuratKönig von Neapel. Endlich im December erreichte der jämmer-liche Ueberrest der großen Armee den Niemen, die russischeGrenze. Nichts nahmen sie aus Rußland mit, als das nackteLeben zurückgelassen hatten sie aber die ganze unermeßliche