55§. 5.Die Flamme hatte ausgetobt, Napoleon kehrte nachMoskau zurück, vier Fünftheile der Stadt waren nur rauchendeTrümmer, der Rest ward den Soldaten zur Plünderung über-lassen. Napoleon war in mißlicher Lage. Moskau sollteWinterquartiere für sein Heer abgeben, sollte der Stützpunctsein für den Feldzug des folgenden Jahres — Moskau warnicht mehr. Nichts blieb übrig, als schleuniger Rückzug.Noch war er der Mächtige, Unbesiegte; ungefährdet konnte ernach Smolensk zurückgelangen und dort, gestützt auf dasbefreundete Polen und Deutschland, den Winter abwarten, ummit nächstem Jahre den verderblichen Krieg auf's Neue zubeginnen. Solches gebot die Klugheit, und hätte er es gethan,möchte Rußland doch am Ende erlegen sein. Allein derEntschluß zum Rückzuge fiel dem allgewaltigen Sieger schwer.Er versuchte Unterhandlungen. Mit List und Schlauheit wußtendie Russen diese Unterhandlungen bis über die Mitte desOctobers hinauszuziehen, und brachen sie dann plötzlich ab,erklärend, so lange noch ein Feind auf russischem Boden stehesei an keine Unterhandlung zu denken. Der Winter nahteheran, das verbrannte Moskau bot kein Obdach, die weit undbreit verheerte und schon ausgeſogene Gegend keine Lebens-mittel, Napoleon mußte sich zum Rückzuge entschließen.Allein es war zu spät. Schon war fühlbarer Mangel anLebensmitteln und der Weg führte nur durch verödete Gegen-den, wo diesem Mangel nicht abzuhelfen war. Zu dem Hungergesellte sich die Kälte, denn ungewöhnlich früh und hart brachder Winter herein, mit ihm das grenzenloseste Elend überdas arme Heer. Von Kälte durchschauert, mit erfrorenenGliedern fanden die Truppen zu ihrem Nachtlager nichts als
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