52Verlassensein der Stadt bedeuten sollte. Bald sollte er eserfahren.Die Franzosen waren kaum in der Stadt, als in einemHause Feuer ausbrach, dann in einem andern, dann in meh-reren, dann in vielen Straßen. Sollte der Ort, den zu errei-chen sie 600 Stunden Weges gemacht hatten, in Feuer auf-gehen? Sie eilten zum Löschen, sie schlugen die verschlossenenThüren ein, sie wandten Alles an, des Feuers Herr zu werden.Vergebens. Hatten sie hier die Flamme bewältigt, so brachsie unerklärlicherweise im Nachbarhause wieder aus, griff umsich und setzte ganze Straßen in Brand. Bald entdeckten siedie Mordbrenner. Es waren die entlaßnen Missethäter, warenRussen selbst, die in fanatischem Feindeshaß lieber die Stadtverbrennen wollten, als sie in den Händen der Franzosen sehen.Vergebens schossen sie die Mordbrenner nieder, vergebenswandten sie Alles an, was in menschlicher Kraft steht — dasFeuer wurde zu mächtig — die Stadt brannte an allen Ecken.Jetzt löste sich alle Ordnung im französischen Heere aufplündernd drangen die Soldaten in die Häuser, den FlammenSchätze und Lebensmittel zu entreißen, vergebens waren dieBefehle des Kaisers, je mehr die Ordnung sich auflöste, destomehr gewann das Feuer die Ueberhand.An dem Fenster des Kreml stand der Gewaltige undblickte hinunter auf die brennende Stadt. Hier trat ihm einFeind entgegen, wider den seine Kanonen und Bajonette nichtshalfen, der entfesselten Kraft der Natur war seine Feldherrn-größe nicht gewachsen, und als auch der Kreml zu brennenanfing, mußte er weichen und nur mit Lebensgefahr gelang esihm aus der flammenden Stadt zu entkommen, um auf einem,von der Stadt entfernten Lustschlosse ein Unterkommen zusuchen.
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