Druckschrift 
Gedichte eines Rhenanen
Entstehung
Seite
90
Einzelbild herunterladen
 

90IV.Der Senne.Ev.Hegt nicht Stolz.In eine Sennhütt' in dem Schweizerland,Trat einst ein deutscher Graf, der ungenannt.Der biedre Senne schüttelt ihm die Hand.„Gott grüß euch!— Willkomm' an der Quell vom Rhein!Ihr sollt fürwahr mein lieber Gast heut' sein!D'rauf pflegt er waidlich ihn mit Speis' und Wein,Und bettete den Gast zur süßen Ruh'Der schlug die müden Augenwimpern zu,Und rief des andern Morgens: „Höre du!„Was bin ich schuldig dir, mein Senne, sprich;Denn meine Rechnung jetzt begehre ich,Der schnell von hinnen muß und lassen dich!“„Nicht doch, mein lieber Herr,“ der Senne spricht„Davor sei Gott, die Gastfreundschaft ist Pflicht',Die übt' ich heut', eu'r Geld das mag ich nicht„Wie“ fährt der Graf auf: „Senn' bist du ein Schaf?Ich zahl' — ein deutscher hochgeborner GrafDem, so das Glück — mich zu bedienen traf.“