sie selbst es ist, als die Naturgesetze, welche schaffen, aber auch zerstören.Vergänglichkeit ist das Loos alles Irdischen, und auch der Ruhmewig, unsterblich genannt, unterliegt diesem allgemeinen, diesem furcht-baren Verhängnisse. „Wie lange dauert ein Gemälde?“ fragte Napo-leon einst, als er im Louvre einen Raphael betrachtete. „Vier=, höch-stens fünfhundert Jahre“, war die Antwort. „Armselige Unsterblichkeit!rief der stolze Imperator aus. Er gedachte der Jahrtausende, die seineigener Name leben werde, der Reihe von Weltherrschern, die ihn alsAhnherrn verehren würden. Aber was weiß die Menschheit von dengroßen und weisen Herrschern des alten Orientes, den welteroberndenPharaonen, den Königen Assyriens und Indiens, lange bevor es einHellas und ein Rom gab? Kaum die Namen. Und doch sind seitihnen nur vier=, höchstens fünftausend Jahre verflossen. „ArmseligeUnsterblichkeit!“ möchte ein höheres Wesen ausrufen.Wollte man aber menschlichen Ruhm nach diesem Maßstabe messennach der Zahl der Jahrtausende, die ein Name fortlebt, würde maneine begleitende Zufälligkeit mit dem innern Wesen verwechseln. Solange man den Namen Markus Aurelius Antoninus noch nennt, wirdauch Commodus nicht vergessen sein, und so lange die Welt Belisar'sgedenkt, wird auch seine gekrönte Peinigerin genannt werden. Ruhmbesteht in allgemeiner Anerkennung großer Eigenschaften und über Welt-theile sich verbreitender Würdigung größer Thaten. Ruhm ist die be-wundernde Stimme des Menschengeistes, und gleichwie es für denRuhm eines großen Mannes gleichgültig ist, ob die Negerhäuptlingeim Innern von Afrika von ihm etwas wissen, ist es auch völlig unwe-sentlich, ob nach Jahrtausenden sein Name genannt werde oder nicht.Was ist uns Sesostris? Ein Schall. Was würde Napoleon nachJahrtausenden der Menschheit sein, wenn nicht zugleich die Sprachenoch verstanden wird, in welcher seine Thaten aufgezeichnet sind? EinHauch. Das Wesen des Ruhmes ruht also darin, daß der gebildeteund stimmfähige Theil der Menschheit, es sei der Zeit nach ferne odernahe, sich gezwungen fühlt, vor einer großen, welteinwirkenden Persön-lichkeit Ehrsurcht zu empfinden. Und die Unsterblichkeit des Ruhmesbesteht in der Unsterblichkeit des Menschengeistes selbst, nicht aber darin
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