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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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585
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DER JUSTIZMORD 585

Es war gewiß der schmerzlichste Tag seiner Amtsführung, als-der Dominikanergeneral die schmachvolle Hinrichtung seinerSöhne mitverfügen und mitansehen mußte. Eine weniger schwäch-liche Natur, als er es zugestandenermaßen war 88 , hätte sich demschimpflichen Auftrage, der ihn nach Florenz führte, unter Be-rufung auf seine 85 Jahre, die er bereits zählte, unschwer zu ent-ziehen vermocht. Von Anfang an spielte er neben dem jungenRomolin eine jämmerliche Rolle. Daß er aber gar den Befehlgab, den sterbenden Ordensbrüdern das Ordenskleid, das sie ihrLebtag treu in Ehren gehalten, vom Leibe zu reißen, dasselbeOrdenskleid, daß so manche andere, die es schändlich entweihten,ungestört tragen durften; daß er sich überdies dazu herbeiließ,ein Schriftstück mit zu unterzeichnen 80 , wie es der eben erwähnte,von Lügen strotzende Bericht an den Papst war: das gereicht ihmzu ewiger, unauslöschlicher Schmach. Was an der Erzählung ist,er habe seit dem Tode des Frate keinen frohen Tag mehr gehabtund nie mehr gelacht 80 , mag dahingestellt bleiben; stolz durfte erauf die Rolle, die er in Florenz gespielt hatte, keinesfalls sein.

Im Bestreben, die Hauptschuld am traurigen Ende des Fratedem Papste in die Schuhe zu schieben, machten sich die Arrab-biaten die von den Kommissären gegen ihn erhobene Anklageder Ketzerei und Kirchenspaltung begierig zunutze 01 ; auch dieSignorie stützte sich auf sie in dem Schreiben, in dem sie denPapst durch Bonsi von dem Vorgefallenen in Kenntnis setzenließ 92 . Aber eine ausschlaggebende Bedeutung maßen doch selbstdie Arrabbiati diesen kirchlichen Vorwürfen nicht bei; sie mach-ten kein Hehl daraus, daß die wahren Triebfedern ihresschonungslosen Vorgehens gegen den Frate ganz anderswo lagen.Unberechenbar war der Schaden," schrieb einer der Männer,die das Todesurteil über den Frate gefällt hatten 03 ,den dieMönche unserer Stadt zufügten. Sie trugen die Schuld daran, daßwir ein ungeheures Vermögen ausgaben, ohne einen Nutzen da-von zu haben. Sie trugen die Schuld an der Zwietracht der Stadt,sie waren der Anlaß zum Tode und Untergange vieler unsererMitbürger 04 und nicht der geringsten, wie allen bekannt ist. Bru-der Dominikus wurde des Todes für schuldig befunden, weil erauf der Kanzel öffentlich behauptet hatte, die Dinge des BrudersHieronymus seien wahr und von Gott, was er nicht gewiß wußte;daß er ferner wahrer Prophet sei, daß seine Prophezeiungen