566 DIE PROZESSE UND DIE GESTÄNDNISSE
es sei an eine Wendung zum Besseren nicht mehr zu denken.Vergebens hatte sich der Herzog von Ferrara 133 bei der Signorie, zugunsten des Frate verwendet, vergebens sogar der neue Königvon Frankreich, Ludwig XII., ins Mittel gelegt. Obschon die Sig-norie ihrem Gesandten empfohlen hatte, bei Hofe vom Sturze desFrate nichts verlauten zu lassen, so hatte der König durch dieflorentinischen Kaufleute gleichwohl ausführliche Kunde hiervonerlangt 134 . Sofort hatte er den Botschafter zu sich beschieden, ihmsein Mißfallen über die berichteten Vorfälle ausgesprochen undin der Person Nikolaus Alamannis, der ohnehin längst als Mittels-person zwischen dem Frate und dem französischen Hofe tätigwar 135 , einen Geandten nach Florenz abgeordnet, der nach außenhin seine Thronbesteigung melden, insgeheim jedoch für denFrate eintreten sollte 136 . Anfangs Mai in Florenz angelangt, machteer der Signorie zugleich vom Entschlüsse des Königs Mitteilung,nach Italien zu ziehen und der Stadt seine Freundschaft zu be-zeigen, richtete aber zugunsten seines Schützlings nicht bloßnichts aus 137 , sondern trug, ohne es zu wissen und zu wollen, nurzur Beschleunigung seines Unterganges bei, da die Gegner voneiner längeren Zögerung ein entschiedenes Eingreifen des Königszugunsten seiner Parteifreunde und eine Erstarkung der Piagno-nen befürchten mußten. Um etwaigen französischen Vorwürfendie Spitze abzubrechen, trachtete die Signorie die Verantwortungfür das Ende des Frate auf den Heiligen Stuhl abzuwälzen. Inder Druckausgabe, die sie vom ersten Prozesse ausgehen ließ 138 ,war noch ruhig bemerkt, die Untersuchung gegen den Frate seivon Richtern geführt worden, die von der Signorie selbst hierzufeierlich erwählt und beauftragt waren 139 . Diesen Druck zog dieSignorie jedoch sofort wieder zurück 140 und ersetzte ihn durcheinen anderen 141 , in dem es ausdrücklich hieß, die Untersuchungs-richter seien im Auftrage des Heiligen apostolischen Stuhles be-stellt worden 142 , so daß also der Anschein entstand, ein päpst-licher Gerichtshof sei es gewesen, von dem die Verurteilungdes Frate ausging. Als dann Ludwig XII. die Signorie, freilich zuspät, um Aufschiebung der Vollstreckung des Todesurteiles er-suchte 143 , gab ihm diese scheinheilig zur Antwort 144 , an ihr werdesich eine Schuld an der Hinrichtung nicht finden lassen. Wieder-holt habe der Papst das Ansinnen an sie gerichtet, den Frate ge-fesselt nach Rom auszuliefern, und auf ihre Weigerung zwei Be-