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DIE PROZESSE UND DIE GESTÄNDNISSE
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Prozesse überrumpelt; er wankte nicht. Auch gegen ihn machtendie Schergen ausgiebigen Gebrauch von der Folter; er blieb fest,lauter wie Gold, das im Feuer geprüft wird. Das Bekenntnis, daser im Kerker niederschrieb, legte von dem edlen und großen Her-zen dieses schlichten Mannes, von seiner tiefen Religiosität undaufrichtigen Frömmigkeit beredtes Zeugnis ab und war eine ein-zige Verherrlichung des Frate, von der Signorie daher auch nichtveröffentlicht. Es ist in zwei Fassungen, einer längeren und einerkürzeren 105 , handschriftlich überliefert 106 , ohne daß sich die eineoder andere als Fälschung erweisen ließe. „Unser Herr und GottJesus Christus weiß, daß ich, Bruder Dominikus, um seinetwillengefesselt, in keinem Punkte lüge", begann er seine Niederschrift.Er beteuerte, niemals habe man in S. Marco irgendwelche politi-sche Ränke gesponnen, niemals Waffen zum Angriffe auf dieGegner aufgespeichert, außer den wenigen für die Leute, welcheden Frate zur Predigt in den Dom geleiteten, um ihn vor Miß-handlungen zu bewahren, „denn wer liebt, der fürchtet". Nachwie vor hielt er an den Prophetien des Frate unerschütterlichfest, die er auf göttliche Erleuchtung zurückführte, obschon ihmauch Silvester seine Erscheinungen und Gesichte mitgeteilt habe.„So hatte Silvester einmal", erzählte er, „die Erscheinung, wie dieEngel von uns dreien 107 uns mit einem Seile oder vielmehr einer gol-denen Kette zusammenbanden und uns ermahnten, es sei GottesWille, daß wir drei ein Herz und eine Seele bildeten. Die Engelerklärten ihm überdies, die ihm zuteil gewordenen Erscheinungenseien nicht so sehr für ihn selbst, als vielmehr für Hieronymusbestimmt, der sie daher sehr wohl für seine eigenen ausgebenkonnte. Auch ich selbst verkündete einmal ein Gesicht Silvestersals mein eigenes, was aber lediglich aus Gehorsam gegen dieEngel geschah, die es Silvester also geboten. Der Frate ließ mirin meinen Predigten stets volle Freiheit. Ihr dürft mir ruhigglauben; denn ich spreche, als müßte ich nunmehr sterben, wasmir leicht widerfahren kann, wenn ihr mich foltert. Denn ichbin völlig zerschunden und habe mir bei der Folter die Arme ge-brochen, besonders den linken. Nie kam mir der leiseste Ver-dacht, der Frate meine es nicht aufrichtig; hätte ich auch nur dengeringsten Fehl oder Trug an ihm wahrgenommen, ich hätte ihnaufgedeckt. Ich wußte, daß er im Auftrage Gottes beabsichtigte,an einige Fürsten zu schreiben, der gegenwärtige Papst sei weder