KLEINMUT DER GEGNER 5i5
wart des Frate wie des P. Franz, und ohne daß einer der beidenKämpen zurücktrete oder den Eintritt verweigere 106 . Am Morgendesselben Tages hatte der Frate wiederum eine Ansprache an dasVolk gehalten; wiederum hatte sich dieses wie ein Mann erhobenund zur Probe erboten 107 . Aufs zuversichtlichste hatte der Frateneuerdings den wunderbaren Sieg der guten Sache verheißen undauf verschiedene Einwendungen geantwortet; namentlich aberhatte er den laut gewordenen Argwohn aufs nachdrücklichste zu-rückgewiesen, als gründe er seine Siegeszuversicht nur auf teuf-lische Hilfe und Zauberkunst 108 .
Von der Vertrauensfestigkeit, die im Lager der Piagnonenherrschte, war auf seiten der Gegner nichts zu spüren. Währenddie Dominikaner Tausende von Angeboten zu verzeichnen hat-ten 109 , stand den Franziskanern außer dem Laienbruder Rondinellinur mehr ein gewisser Nikolaus Pilli zur Verfügung, der sich ver-pflichtete, mit einem Mönche von S. Marco den Scheiterhaufen zubesteigen und jede andere Marter zu erdulden, nur um das Volkvon seiner gegenwärtigen Verblendung zu heilen 110 . Bei der klein-mütigen Stimmung der Gegner glaubte man in den Kreisen, diedem Frate nahe standen, von Anfang nicht daran, daß die Probewirklich stattfinden werde 111 . Dieser Zweifel verstärkte sich, alsdas Gottesurteil, das ursprünglich auf Freitag, 6. April, angesetztwar 112 , auf Samstag, 7. April, verschoben wurde, da man hoffte,es werde noch in letzter Stunde ein Breve eintreffen oder sonstein Ereignis eintreten, wodurch die Sache vereitelt werde 113 . Vonall dem geschah jedoch nichts. Dagegen waren die Signoren ihrerSache, d. h. der Niederlage des Frate, so gewiß, daß sie am 6. Aprilden Beschluß 114 faßten, falls Dominikus verbrenne, solle jener alsEmpörer angesehen und gehalten sein, die Stadt binnen drei Stun-den zu verlassen. Die Möglichkeit, daß im Gegenteil der Fran-ziskaner umkomme, zog man nicht mehr in Betracht.
Der Morgen des 7. April, es war der Samstag vor dem Palm-sonntag, war angebrochen 115 . Auf dem freien Platze vor demSignorenpalast war ein 4 Ellen hohes Gerüst von 500 Ellen Längeund 10 Ellen Breite aufgeschlagen. Es war mit Kies und Ziegel-steinen belegt, worauf eine große Menge Holz und Reisig, mit ölgetränkt, aufgeschichtet war. In der Mitte blieb ein etwa 2 Ellenbreiter Gang frei, auf dem die Gegner durch die rechts und linkslohenden Flammen zu wandeln hatten, und der Frate hatte die
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