BERATUNGEN ÜBER DIE PROBE 5i r
Die Kunde von dem verabredeten Gottesurteile verbreitete sichwie ein Lauffeuer nach allen Seiten und erregte überall unge-heueres Aufsehen. Der mailändische Gesandte Franz Tranchedinzu Bologna war schon am 29. März hiervon unterrichtet. „Möge esGott gefallen," schrieb er 79 an den Mohren, „daß die gegenwärtigeSignorie die Gelegenheit besser zu nützen weiß als jene frühere 80 ,um den verderblichen Wahn ihres Frate auszurotten. Nähereswird man ja bald hören, wenn diejenigen Hirn haben, die es an-geht." „Denn", äußerte er zwei Tage darauf 81 , „bald wird es sichzeigen, ob jene, die es können, die Ehre des Papstes oder desFrate im Auge haben, und man wird erfahren, welche von jenenParteien und Sekten mehr Anhang im Volke hat, das gewohnt ist,jenen seine Gunst zu schenken, die zu siegen verstehen."
Und die Signoren verstanden dies meisterlich. Mit äußersterBehutsamkeit gingen sie zu Werke. Um sich von aller Verant-)wortlichkeit zu entlasten, um ferner den Schein der Parteilichkeitzu vermeiden und den Argwohn der Frateschen nicht zu erregen, /**v» v /^ 'beriefen sie Angehörige beider Parteien zu einer Beratung, ob mandie Probe gestatten solle oder nicht 82 . Das Ergebnis konnte vonvornherein nicht zweifelhaft sein. Die Dinge waren, wie von ver-schiedenen Sprechern bemerkt wurde, schon viel zu weit gediehen,um noch rückgängig gemacht zu werden. Beide Teile waren fürdie Probe, freilich aus wesentlich verschiedenen Gründen. DieFrateschen erwarteten das Wunder und von ihm den Triumphihrer Sache. Die Gegner rechneten ebenso sicher mit der üieder-/"^'läge des Frate. Im einen wie im anderen Falle mußte sich dieLage „klären" 83 , es mußte „Ruhe und Frieden" in der Stadt ein-kehren, denn mit dem Siege der einen Partei war der Sturz der , _,»anderen verbunden. So wurde denn die Probe beschlossen undfestgesetzt 84 , für den Fall, daß der Dominikaner verbrenne, solleder Frate nebst P. Dominikus, wenn aber der Franziskaner unter-liege, P. Franz nebst P. Lorenz Corsi, der sich mit diesem zurProbe erboten hatte 85 , aus dem florentinischen Gebiete verbanntwerden. Gingen beide Streiter zugrunde, so sollte es so gehaltenwerden, als wäre nur der Dominikaner unterlegen. Endlich wardmit Verbannung auch der Teil bedroht, der nach dem Urteile derSignorie die Schuld an einer etwaigen Vereitelung der Probe trage:ein Beschluß, der den Arrabbiaten nach ihrem eigenen Gestand- -nisse zum Tröste gereichte 88 .