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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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458
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458 DER HOCHVERRATSPROZESS

war 72 er von dem warmen Briefe, den ihm der Minorit und Pro-fessor der Theologie, Marcanton von Ficino gewidmet hatte. Wennselbst ein so geschätztes Mitglied des ihm sonst wenig geneigtenFranziskanerordens mit Ausdrücken der Verehrung für ihn, denmit dem Fluche der Kirche beladenen Mann, so wenig kargte, sokonnte der Bann in den Augen der Gläubigen, auf deren Urteil esankam, in der Tat nicht schwer wiegen. Auch zum Herzoge vonFerrara stand er nach wie vor in besten Beziehungen. Auf dieKunde, daß sich der Herrscher über die lange Verzögerung der inAussicht gestellten Ereignisse, namentlich der Rückkehr des Kö-nigs nach Italien, aufhalte, tröstete er ihn 73 rn.it der Beteuerung,alles werde sich bis aufs Jota erfüllen. Der Herzog möge nur fleißigdie Heilige Schrift lesen, besonders die Propheten Jeremias undEzechiel, er werde da alles geradeso wie heutzutage antreffen.Herkules schrieb ihm darauf 74 , er zweifle zwar nicht im geringstenam Eintreffen seiner Voraussagungen, aber angesichts der Nach-lässigkeit des Königs habe er Bedenken an seiner Erwählung dochnicht unterdrücken können. Durch seinen süßen Brief sei er nunzwar wieder beruhigt worden, immerhin bitte er ihn, ihm seineMeinung über den König mitzuteilen, es solle dann alles, was ergesagt, für gewiß angesehen und auf Wunsch sorgsam geheim-gehalten werden. Der Frate erwiderte 75 , er habe die Erwählungdes Knechtes Gottes immer nur als eine bedingte bezeichnet undbis jetzt auch noch kein Anzeichen seiner Verwerfung entdeckt.Es sei Gottes Wille, sich auf ihn und nicht auf Menschen zu ver-lassen. Herkules möge es nicht ungütig nehmen, daß sich dieseAntwort etwas verzögert habe, er habe sich viele Tage im Gebetedarauf vorbereitet. Der Herzog ließ sich durch diesen Bescheidnicht davon abhalten, dem Mohren durch Zurückgabe des Castel-letos von Genua, den Venetianern durch einen Besuch in der La-gunenstadt entgegenzukommen, fühlte aber doch das Bedürfnis,sich darob durch seinen Gesandten beim Frate zu entschuldigen.Dieser erklärte sich ganz damit einverstanden 76 , unter der Voraus-setzung, daß Herkules mit dem Könige nicht breche, der von Gottnoch nicht verworfen sei. Der Frate teilte dem Gesandten zugleichmit, soeben sei ein Vertrauensmann des Kaisers mit der Auffor-derung bei ihm gewesen, der Liga beizutreten und den eitlen Ver-sprechungen der Franzosen nicht länger Glauben zu schenken,worauf er zur Antwort gegeben habe, die Florentiner seien selbst