Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
431
Einzelbild herunterladen
 

LEONHARD VON SEREZANO 431

Der Feuereifer, mit dem der Frate seine Sache verfocht, ließdie Gegner nicht schlafen. Sein RundschreibenAn alle Aus-erwählten Gottes" vom 8. Mai beantwortete der Augustiner P. Leon-hard schon am 12. Mai mit einer Flugschrift 10 :An alle wahrenund nicht verstellten Freunde Jesu Christi, des Gekreuzigten,geistlichen Gruß und Frieden". Schon vor geraumer Zeit, schriebder Prediger von Heilig Geist, ermahnte ich euch in einem Briefe,ihr möchtet euch an das evangelische Gesetz halten und nichtdurch neue Offenbarungen oder Träume hiervon abbringen las-sen. Doch genügt er für die gegenwärtigen Bedürfnisse nichtmehr, und da es den Machthabern gefiel, uns für einige Zeit derPredigt zu entheben, und ich euch also nicht, wie ich bishergetan, in der süßen Lehre des Evangeliums öffentlich unterwei-sen kann, so dachte ich, was ich mündlich nicht zu tun vermag,wenigstens schriftlich zu vollführen. Die Gegner sehen nur aufÄußerlichkeiten, auf den eitlen Schein, während sie auf die inne-ren Sünden und verhärteten Herzensbosheiten nicht achten 11 . Ausgeringfügigen Dingen, die manchmal keine Sünden sind, machensie sich ein Gewissen, aber um den wahren Haß gegen den Näch-sten, um bissige Verleumdungen und Beschimpfungen kümmernsie sich nicht. Sie lieben es, Skapuliere, verschlissene Kleiderund kurze Mäntel zu tragen und ihre nackten, von Bußübungenabgezehrten Glieder zu zeigen, Dinge, die sie nur aus Ruhmsuchtverüben und um Heiligkeit zu heucheln. Vor solchen nehmt euchin acht, hütet euch vor ihren neuen Lehren und glaubet ihrenneuen Offenbarungen oder vielmehr Erfindungen nicht! Denndie Früchte, die sie bringen, sind lediglich Haß wider den Näch-sten, Ehrabschneidung, das Streben nach Ehrenstellen und Lob,das Buhlen um die Gunst hoher Herrn, Lügen und Fabeln. Dasie ihre Gläubigen nicht mehr mündlich mit Offenbarungen undTräumen füttern können, so beschweren sie sich maßlos und nen-nen die Urheber des Predigtverbotes eine Synagoge des Satans.Und doch ist das Perdigtverbot eine Maßregel, die nicht von Hei-den, sondern von guten Christen ausging und von der Nächsten-liebe eingegeben wurde. Denn wenn auch die Predigt ein gutesWerk ist, so braucht sie doch nicht zu jeder Zeit ausgeübt zuwerden, vielmehr kann es zuweilen sogar verdienstlich sein, sieeinzustellen, um Ärgernisse, die aus ihr entstehen könnten, zuverhüten. Ein Hauptkennzeichen, daß jemand tödlichen Haß