XXII. Kapitel.
DIE FLUGSCHRIFTENFÜR UND WIDER DEN FRATE.
Wie sehr der Frate im Mittelpunkt des religiösen Lebens seinerLandsleute stand und „zum Falle wie zur Auferstehung vieler ge-worden war", zum „Zeichen", „dem widersprochen ward", und andem „die Gedanken vieler offenbar wurden (vgl. Lc. 2, 34 f.),das lehrten die Flugschriften, die für und wider ihn inner- wieaußerhalb der Arnostadt erschienen. Er selbst empfand es wohlniemals so schmerzlich, von der Kanzel verdrängt zu sein, wie ebenjetzt in den schwülen Sommertagen 1497, da ihm das Herz zumZerspringen voll war. Schon gleich nach Christi Himmelfahrt,am 8. Mai 1 , ließ er eine Schrift „An alle AuserwähltenGottes und treue Christe n" 2 im Drucke ausgehen mitder eindringlichen Mahnung, sich durch die gegenwärtigen Ver-folgungen im Glauben nicht beirren zu lassen. Bildeten diese jadoch nur die augenfälligste Bestätigung seiner ganzen bisherigenVoraussage, daß sie wider eine doppelte Macht, wider eine dop-pelte Weisheit und wider eine doppelte Bosheit zu kämpfen habenwürden. Weit entfernt, sie zu entmutigen, seien also gerade dieVerfolgungen ganz dazu angetan, sie im Glauben zu befestigen,zumal da ein Blick in die Heilige Schrift und in die Kirchen-geschichte zeige, daß die Kirche in den Verfolgungen stets erstarkt,in den Zeiten der Buhe aber erschlafft sei. Die Verfolger sind Ge-nossen der Synagoge des Satans, wie ihr Leben und ihre Werkedeutlich bekunden, da sie das Haus Gottes beschmutzen und dasWort Gottes hassen und unterdrücken — Dinge, deren sich nichteinmal die Heiden und Ungläubigen schuldig machen, die ihreTempel in größten Ehren halten und Gotteslästerungen strengstensbestrafen. Von solchen Leuten verfolgt zu werden, ist der sicherstePrüfstein der Wahrheit; inmitten dieses verkommenen Geschlech-tes leuchten wir wie die Sterne in finsterer Nacht. Wundert euchauch nicht, daß Gott den Bösewichtern so viele Freveltaten hin-