DER FRATE SUCHT DEN PAPST ZU BESCHWICHTIG EN 417
häufen und zu beschimpfen, indem man meine Worte gottes-schänderisch verdreht. Und doch sind die vielen Tausende meinerHörer ebenso viele Zeugen meiner Unschuld; und überdies liegenmeine Worte in getreuer Nachschrift gedruckt vor. Man prüfesie doch, ob sie die Schmähungen wider Eure Heiligkeit, derenman mich bezichtigt, wirklich enthalten. Oder sollte ich, wasich öffentlich gepredigt, in der Nachschrift geändert haben?Würde ich mich dann aber nicht in den handgreiflichsten Wider-spruch verwickeln? Daß Eure Heiligkeit die gottlose Wut dieserLeute nicht durchschaut! Wie kann jener hervorragende, viel-gepriesene Prediger 23 die Frechheit haben, mir ein Verbrechenaufzubürden, an dem ich keine Schuld trage, während er selbstes begangen hat? Die Not zwingt mich, seine eigenen Äußerun-gen kundzugeben: ich vermag einwandfreie Zeugen vorzuführen,daß er sich ehedem über Eure Heiligkeit in der gehässigsten Weiseausgesprochen hat. Im übrigen predigte ich nichts als den katho-lischen Glauben, so wie ihn die römische Kirche vorträgt, derenUrteil ich mich wie immer so jetzt unterwerfe. Aus dem Werke,Über den Triumph Christi', das ich zur Verteidigung des Glau-bens nächstens herausgebe, wird sich klar erweisen, ob ichKetzereien oder die katholische Lehre verkünde."
In der Tat gewann es den Anschein, als lasse sich das Unwetternoch einmal bannen. So sehr der Papst von Begierde brannte,den Frate zu züchtigen, so wäre er, meldete Becchi in jenenTagen aus Rom 21 , gleichwohl nicht aus eigenen Stücken einge-schritten, sondern hätte, nachdem er solange zugesehen, dies wohlauch noch länger getan 25 . Aber eure Feinde und Neider drangenauf die Kunde, man sei bei euch bereits mit dem Predigtverbotewider den Frate vorgegangen und dürfe im Falle seiner Vorladungnach Rom und Exkommunikation mit weiteren Unruhen rech-nen, in den Papst, und da alles schon vorbereitet war, so übte dieMedizin ihre Wirkung. Jetzt reden sich viele darauf hinaus, siehätten nichts von der Sache gewußt. Gleichwohl kann ich mit-teilen, daß der Kardinal Caraffa von Neapel der Haupturheberwar, im Vereine mit anderen Kardinälen. Auch der KardinalJohann Lopez von Perugia betrieb alles, obschon er nunmehrschwört, erst nach der Abreise Johanns von Camerino davon er-fahren zu haben. Alles geschah lediglich dem Kardinal Mediciund den Gönnern Peters zuliebe, die zuversichtlicher denn je mit
27 Schnitzer, Savonarola