4r6 DER KIRCHENBANN
sam ertragen. Da er aber in seiner Verstocktheit beharrte, so seiihm durch Breve vom 7. November unter Strafe der von selbsteintretenden Exkommunikation geboten worden, sein KlosterS. Marco der neuen tuszisch-römischen Kongregation anzu-schließen; aber auch dem widersetzte er sich. Auf daß nun nichtetwa das Blut der unschuldigen Seelen am Tage des letzten Ge-richtes aus seinen Händen gefordert werde, so gebiete der Papst,den besagten Bruder Hieronymus feierlich für exkommuniziert zuerklären, sowie als einen aus der Kirche ausgestoßenen, derKetzerei verdächtigen Menschen unter Strafe desselben Kirchen-bannes ganz und gar zu meiden, allen Verkehr mit ihm einzustel-len und seinen Predigten nicht mehr anzuwohnen, noch ihm sonstirgendwelchen Vorschub zu leisten. Dem Professor der Theolo-gie, Johann von Camerino, aber solle in allem, was ihm widerBruder Hieronymus aufgetragen ward, jeglicher Beistand gewährtwerden.
In Florenz war man über diese Wendung der Dinge durchBracci mittels amtlicher Schreiben vom 15. und 17. Mai sofortunterrichtet worden. Gleichwohl gaben die Zehn, dem Frate imGegensatze zur arrabbiatischen Signorie aufrichtig zugetan, dieHoffnung keineswegs auf, den drohenden Sturm, solange dieBannbriefe noch nicht eingetroffen waren, in letzter Stunde nochzu beschwören. Sie schrieben dem Gesandten 21 , die Entscheidunghabe in Florenz ebenso überrascht wie mißfallen, da man wohlwisse, daß alles doch nur die Wirkung übler, aller Wahrheit barerAngaben und Berichte sei. Es sei nun einmal nicht wahr, daßder Frate den Papst oder sonst jemand mit Namen geschmähthabe; seine Predigt, von einem Leben strenger Entsagung undaufrichtiger Frömmigkeit unterstützt, trage die reichste Frucht.Der Papst und der Kardinal von Neapel möchten also ihrer Klug-heit und Milde gemäß behutsam vorgehen, um nicht fremderBosheit zum Opfer zu fallen.
Aber auch Savonarola selbst wandte sich an den Papst. „War-um zürnt mein Herr seinem Knechte," schrieb er an ihn 22 , „oderwas tat ich wider ihn Übles? Wenn mich die Söhne der Bosheitzu Unrecht verleumden, warum zieht er seinen Knecht nicht zurRechenschaft, ehe er ihnen Glauben schenkt? Man zeiht michder Majestätsbeleidigung wider Eure Heiligkeit, die Gottes Stelleauf Erde vertritt, als ließe ich nicht ab, sie mit Flüchen zu über-