4io DIE PREDIGTEN ÜBER EZECHIEL
sendfältigen Angstschrei „Misericordia, misericordia" aus undströmte eilends den Ausgängen zu. Vergebens rief ihm der Pre-diger zu, es sei kein Grund zur Furcht und Flucht da. In demfurchtbaren Lärm verhallte sein Wort ungehört. Nun warf ersich auf die Knie nieder und betete. Dann erhob er sich, nahmein kleines Kreuz in die Hand und forderte die Gläubigen zumVertrauen auf Christus auf, es widerfahre niemandem Übles. Sieverstanden ihn nicht, zogen nun aber auch selbst die Kreuzchenhervor, die sie bei sich trugen. Einige von den Gegnern suchtensich der Kanzel zu nähern. Man trat ihnen in den Weg unddrängte sie aus der Kirche hinaus. Schließlich verließ der Fratedie Kanzel und machte sich auf den Heimweg, von einer zahl-losen Menge umgeben, die ihn bis zum Kloster geleitete. Unter-wegs schien es nochmals zu einem Angriff auf ihn und zumKampfe zu kommen. Viele der vornehmsten und weisesten Män-ner, vom Eifer für die Wahrheit und das Gemeinwohl ergriffen,versahen sich zu Hause zu seiner Verteidigung mit Waffen. Ausallen Augen blitzte todesmutige Entschlossenheit. Männer, Frauenund Kinder brachen immer wieder in den begeisterten Ruf aus:„Hoch lebe Christus!" So verlief der ganze ungeheure Lärm 128 ,ohne Schaden angerichtet oder den von seinen Urhebern beab-sichtigten Zweck erreicht zu haben. Der Frate aber kehrte in-mitten der Seinen nach S. Marco zurück, wo er auf der Kanzelseiner Klosterkirche die im Dom gewaltsam unterbrochene Pre-digt zur Erbauung seines Geleites zu Ende brachte. HieronymusCinozzi, der sie als Augen- und Ohrenzeuge nachgeschrieben undhiermit eine Schilderung ihrer Störung verbunden hatte 127 , er-hielt den Schluß von einem Mönche von S. Marco, und war soimstande, eine vollständige Nachschrift zu liefern. So konnte diePredigt mit Zustimmung des Frate sofort dem Druck übergebenwerden, um wie mit Blitzesschnelle die Runde durch ganz Italienzu machen.
. Mit dem Aufruhr am Feste Christi Himmelfahrt hatte sich dieohnehin schon bedenkliche Lage äußerst verschärft. Die Arrabbiatiund ihre Verbündeten hatten ihre tödliche Feindschaft gegen denFrate und die Pignonen allzu deutlich verraten, als daß sie sichnicht auf Gegenmaßregeln von diesen hätten gefaßt machen raüs-
, sen. Mit Entsetzen gewahrten die Frateschen, wessen sie vonihren Gegnern gewärtig sein mußten. Jeder Teil bangte, vom