4o2 DIE PREDIGTEN ÜBER EZECHIEL
den Ruf eines viehischen Menschen eintrugen 85 . Da er nicht bloßsein eigenes, sondern auch das Einkommen seines Bruders, desKardinals, vergeudete, so lebte dieser in den kümmerlichsten Ver-hältnissen und litt oft sogar an den nötigsten Dingen Mangel 86 .Begreiflicherweise konnten die Brüder den Tag nicht erwarten,da sie in ihre florentinische Herrlichkeit zurückkehren durften,und sie setzten alle Hebel in Bewegung, ihn zu beschleunigen.Da es nun Florenz mit Frankreich hielt, so konnten die Medici ihrHeil nur von der Liga erwarten; die treibenden Ligamächte aberwaren der Mohr, der Papst und Venedig, ihrer mußten sie sichdaher zu versichern trachten. In der Tat brachte es der Kardinalüber sich, mit seinem jüngeren Bruder Julian einen Büß- undBittgang nach Mailand an den Hof des Mannes zu unternehmen,der als der eigentliche Urheber des Unglückes seines Hauses zubetrachten war. Den ganzen Sommer 1496 verbrachte er hierund ließ nicht ab, den Herzog um seine Hilfe anzuflehen, währendsich Peter zur selben Zeit in Bolsena aufhielt, wo er sich durchseine schlechte Aufführung ebenfalls um alles Ansehen brachte 87 .Als sich der Kardinal Ende Oktober verabschiedete, konnte erdie schriftliche Versicherung des Mohren mit auf den Weg neh-men, alles, was in seinen Kräften liege, tun zu wollen, um diemediceische Herrschaft wiederherzustellen; selbst sein VaterLorenzo könnte, wenn er noch am Leben wäre, die Sache nichtangelegentlicher betreiben 88 . Überdies ließ der Mohr dem älterenBruder noch eigens sagen, er möge nur guten Mutes sein, dieStunde seiner Heimkehr nach Florenz werde bald schlagen 89 .Und gleich dem Kardinal bestürmte auch Peter Bibiena, der ehe-malige Kanzler Peters und treue Diener der Medici, seit der Ver-treibung aus Florenz in Venedig ansässig, den Mohren um Zu-rückführung seines Herrn. Er hatte zur Zeit des kaiserlichen An-griffes auf Livorno ein Klagelied, eine Lamentatio, verfaßt, woriner nach dem Vorbilde der Klagelieder des Propheten Jeremiasdas Unglück seiner Vaterstadt beweinte. Diese Lamentatio wid-mete er zu Beginn des Jahres 1497 dem Mohren nebst einem Be-gleitschreiben 90 des Inhalts, seine Dichtung richte sich zwar, demWortlaute nach an Gott, habe jedoch einen mystischen Sinn, derdurchaus auf ihn, den Herzog, gehe und seine Macht, seine Vor-sehung, seinen Zorn, seine Güte sowie das Gute und Böse schil-dere, das er wirken könne. Nicht als sei diese Schilderung von