400 DIE PREDIGTEN ÜBER EZECHIEL
Frate 71 , der der Stadt mit seiner französischen Politik ungeheureUnkosten verursacht habe; Sonette gingen von Hand zu Hand,die ihn verhöhnten 72 . Er rechtfertigte sich in seinen Predigten 73mit der Erklärung, der neue Friede sei kein wirklicher Friede.Man dürfe kein anderes Bündnis als mit Christus schließen, nurauf ihn sei Verlaß, nicht auf den französischen König, der, wenner seiner erhabenen Sendung nicht nachkomme, von Gott verwor-fen und durch einen anderen ersetzt werde. „Noch aber", schrieber an den Herzog von Ferrara 74 , „ist dies nicht geschehen, ob-schon er von seinen Großen hintergangen wird. Noch kann ergroße Dinge vollbringen und jeden verderben, es ist daher nichträtlich, sich von ihm loszusagen." Im selben Sinne hatte sichder Frate zwar auch bisher stets ausgesprochen 75 , gleichwohl warder von den Gegnern beschuldigt, er beginne sich zu widersprechenund vom Könige abzurücken, um im selben Atemzuge ob seinerfranzösischen Politik getadelt zu werden. Die Arrabbiaten selbsthüteten sich sehr wohl, mit der Liga gemeinsame Sache zu ma-chen, obschon sich eben jetzt die verlockendsten Aussichten boten.Der Mohr, für den es ein unerträglicher Gedanke war, Pisa in derGewalt der Venetianer zu wissen, hatte im Rate der Liga den An-trag gestellt, die Stadt den Florentinern zurückzugeben und denAusgleich der letzteren mit der Liga in die Hand des Papstes zulegen. Damit hatten sich alle Verbündeten und besonders Spa-nien einverstanden erklärt, nur Venedig hatte weder zugestimmtnoch widersprochen. Nach der Sitzung hatte der Papst den flo-rentinischen Gesandten zu sich beschieden und gebeten, seinenLandsleuten ans Herz zu legen, gute Italiener zu sein und sichnicht vom Frate Hieronymus und anderen verführen zu lassen 76 .Alexander VI. betraute überdies den in Rom ansässigen florentini-schen Bankhalter Anton de' Pazzi mit der besonderen Sendung,seine Mitbürger zum Anschlüsse an die Liga einzuladen; dafürsollten sie Pisa erhalten, nur sollten sie der Liga Livorno oderVolterra als Pfand ihrer Treue einräumen 77 . Der Antrag war na-türlich Gegenstand wiederholter eingehender Beratungen zu Flo-renz, die mit dem Beschlüsse seiner Ablehnung endeten 78 . DieArrabbiaten schoben die Schuld zwar wiederum auf den Frate,mußten aber selbst zugeben, der wahre Grund der Weigerungliege in der Härte der von der Liga gestellten Bedingungen 79 . Imengeren wie im weiteren Rate und von Rednern aller Parteien wurde