39 8 DIE PREDIGTEN ÜBER EZECHIEL
die Piagnonen, daß sie in S. Marco gemeingefährliche Zusam-menkünfte veranstalteten, und verhöhnten sie in Spottgedichten;die an allen Straßenecken angeheftet waren. Franz Cei ver-breitete ein Sonett 67 mit den Anfangsworten: „Guten Abend,Marzell! Wo kommst du denn her?" „Von der Abendandachtund vom Vaterunser", und mit dem Schlüsse:
„O Gott, um welcher Sünden willen
Willst du Florenz ins Elend hüllen?
Vier Bürger sind es, ämtersüchtig,
Die machen sich besonders wichtig,
Und spielen, um alles an sich zu reißen,
Ganz schlau die Frommen und die Unschuldweißen."
Ähnlich beschwerte sich Hieronymus Muzi in Spottversen 58 ,daß nur Fratesche mit Gemeindeämtern bedacht würden. DieSignorie schlug nun zwar eine neue Art der Ämterbesetzung vor,drang aber nicht durch 50 . Nun entdeckten die Arrabbiaten plötz-lich ihr versöhnliches Herz und regten die Einsetzung einereigenen Behörde von Friedensstiftern, Paciali, an, angeblich zurBeilegung aller unter den Bürgern entbrannten politischen Strei-tigkeiten. Die Signorie griff diesen Vorschlag begierig auf undernannte aus eigener Machtvollkommenheit einen Ausschuß vonzwölf Männern, die den vornehmsten Geschlechtern der Stadtentnommen waren, und zwar auch einige führende Fratesche,wie Valori und PA. Soderini, in ihrer Mitte zählten, ihrer erdrücken-den Mehrheit nach aber erklärte Gegner des Frate waren 60 , wiedenn die Arrabbiaten selbst zugaben, daß ihnen die Aussöhnung mitden Gegnern nur ein Vorwand war, um den Frate zu stürzenund die Herrschaft an sich zu reißen 01 . Die neue Behörde erregteauch wirklich sofort den Argwohn der Bürgerschaft 62 ; es währtenicht lange, so kam der Pferdefuß vollends zum Vorschein. Schonunter den ersten Beratungsgegenständen befand sich die alte ar-rabbiatische Forderung, den Frate aus der Stadt zu vertreibenund so den Urquell alles Haders zu verstopfen. Natürlich wider-setzten sich die Frateschen einem solchen Ansinnen aufs ent-schiedenste. Als die Sache auch im Rate der Achtzig zur Ver-handlung kam, fiel die Bemerkung, die guten Bürger fänden sichim Palaste zur Beratung über die Angelegenheiten des Staats ein,nicht anderswo 63 . Die Äußerung richtete sich wider diejenigen