378 DIE RöMISCH-TUSZISCHE KONGREGATION
Widerstand geleistet habe. Der Chronist ließ sich beschwicht-tigen und machte sich nun zunächst mit Rücksicht auf die gutenFrüchte eines einträchtigen klösterlichen Zusammenwirkens einGewissen daraus, den Werken Gottes ferner zu widersprechen. Daer aber zu seinem Ärger gewahrte, wie sich die Bürger statt an ihnnach wie vor an Silvester wandten 65 , so regte sich in ihm der alteWiderspruchsgeist aufs neue; gleich manchen anderen erging ersich wiederum in Beschwerden und Klagen wider den Frate undseine Getreuen.
Verhältnisse solcher Art spiegeln sich deutlich genug in denSchreiben und Ansprachen wieder, die der Obere bei verschiede-nen Anlässen an die Brüder richtete, In den „Allen Ordens-leuten sehr ersprießlichen Leitsätze n 68 , denBrüdern von S. Marco gewidmet", bezeichnete er als das vonallen anzustrebende Endziel die Vereinigung mit Gott in Gebet,Betrachtung und beständiger Liebe und führte die dazu führen-den sieben Stufen auf, nämlich 1. Liebe zur gemeinsamen wiepersönlichen Armut, verbunden mit dem festen Entschlüsse, ingrößter Dürftigkeit zu leben und nichts Eigenes zu besitzen oderzu gebrauchen, als was zur äußersten Lebensnotdurft unbedingtnötig sei; 2. lauterste Reinheit; 3. willige Unterwürfigkeit nichtbloß unter die Oberen, sondern auch unter Gleichgestellten undselbst Geringeren; 4. ängstliche Behutsamkeit im Reden; 5. Ein-gezogenheit und Bescheidenheit. Man soll sich nicht um die An-gelegenheiten anderer kümmern und die Klostergeschäfte dendamit Betrauten überlassen. Manche mischen sich in unange-brachtem Übereifer in alles ein und ergehen sich in unwirschen,mürrischen und scheelsüchtigen Übelreden wider den Oberen unddie anderen Brüder, statt froh zu sein, daß sie ohne Amt und in-folgedessen ohne Verantwortung sind. 6. Liebe zur Einsamkeitund Vorsicht im Umgange mit Welt- und schlimmen Ordens-leuten; 7. eifrige Pflege des Gebetes und der Betrachtung. Werdiese sieben Regeln befolgt, der wird der sieben Gaben des heiligenGeistes teilhaftig. In der Ansprache, die er am 14. September 1496,dem Feste der Kreuzerhöhung, an seine Mönche „Über einrechtes und geordnetes Ordensleben" hielt 67 ,nannte er die übertriebene -Sorge, welche die Brüder um ihre Ge-sundheit hegten, eine Versuchung des Teufels, der die Kongrega-tion auf solche Weise zu verderben trachte. Die Krankheit und