UNZUFRIEDENHEIT IN S. MARCO
Freundes Dominikus von Pescia. Robert bekleidete überdiesdie nicht unerheblichen Ämter eines Sakristans und Bibliothekars,wie er es auch war, der später die auf seine Zeit bezüglichen Ab-jschnitte der Klosterchronik verfaßte. Hatte es ihn schon nichtwenig verdrossen, daß er, ohne Zweifel, weil er den an ihn gestell-ten Ansprüchen nicht gewachsen war, in seiner Stellung als Ge-heimschreiber des Frate einem Fremden, dem Humanisten Niko Tlaus Seratikus aus Mailand, ehemaligem Kanzler des Truppen-führers Herkules Bentivoglio 01 , hatte weichen müssen, so fühlteer sich in seiner kleinlichen Eitelkeit erst recht verletzt, daß nichter, sondern Dominikus von Pescia, Silvester Maruffi und noch einDeutscher, Anton von Holland, ein eifriger und musterhafterOrdensmann, wie Robert selbst bezeugte 62 , bei Erledigung wich-tiger Angelegenheiten ins Vertrauen gezogen wurden. So beschul-digte er den Frate und seine näheren Freunde der Herrschsuchtund Anmaßung und gesellte sich der kleinen Schar der Mißver-gnügten bei, die ihrem Oberen seit der Trennung von der Lom-bardei grollten und sich in die neue Ordnung der Dinge, nament-lich in die durch sie bedingte strenge Lebensweise nicht einzulebenvermochten. Wehmütig dachten sie an die egyptischen Fleisch-töpfe der behäbigen lombardischen Zeit zurück und machten dienunmehr herrschenden harten Fasten für die Erkrankungen ver-1antwortlich, die sich unter den Brüdern, besonders unter denjungen und Novizen, eingestellt hatten. Daraufhin hatte der Fratediesen zwar einige Erleichterungen eingeräumt, woraus ihmjedoch die Unzufriedenen, unter ihnen der Prediger Anton vonRadda und Christophano del Giglio 63 , erst recht den Strick drehten;nun sehe man es ja deutlich, erklärten sie hämisch, daß sich dievom Frate eingeführte Regelung nicht zu behaupten vermöge, dasie schon jetzt Zugeständnisse erfordert habe. Immerhin warjedoch ihre Schar zu gering, als daß sie gegenüber der großenMehrheit der treu zu ihrem Oberen haltenden Brüder hätte durch-dringen können. Ubaldini gewahrte zu seinem Schmerze, daß ermit seinem Murren und Mäkeln nichts anderes erreichte, als daßer inner- wie außerhalb des Klosters alles Ansehen einbüßte. Ver-gebens beschwerte er sich beim Frate über die von ihm und seinenBeratern geübte „Tyrannei". Dieser redete ihm, wie Robert selbstanerkannte 64 , „weise und freundlich, in aller Güte und Demut"zu, und stellte ihm vor, wie oft er dem Willen Gottes schon