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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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360 DIE PREDIGTEN ÜBER RUTH

waren derselben Ansicht 121 . Gleichwohl kam man in Florenz inden Beratungen, die man über die durch das Eingreifen des Kai-sers geschaffene bedrohliche Lage pflog, auch jetzt wieder zu demEntschlüsse, vom französischen Bündnisse nicht abzulassen. Mansah freilich ein, daß die Stadt von sich selbst aus nicht imstandesei, den vereinten Ligakräften standzuhalten, und man beschloß,gute Beziehungen zum Papste zu unterhalten, mittels dessen maneinen Keil in das feste Gefüge der Liga treiben zu können hoffte 122 .Man sah ferner ein, daß es in der gegenwärtigen äußersten Notkeinen anderen Ausweg gebe, als in öffentlichen und häuslichenGebeten seine Zuflucht zu Gott zu nehmen, aber auch die politisch-militärischen Maßregeln nicht zu vernachlässigen. Man verhehltesich nicht, daß die herrschende Zwietracht der eigentliche undletzte Grund alles über die Stadt hereinbrechenden Unheiles sei 123 .Man kam überein, neue Gesandte an den Kaiser abzuordnen; alssolche wurden auch vier Ordensleute vorgeschlagen, unter ihnender Frate, doch ging der Antrag nicht durch 124 . So groß war inFlorenz die Angst vor dem Angriffe des Kaisers, daß Somenzi nunschon die Zeit für reif dazu erachtete, selbst dem Frate in einerlangen Unterredung 125 zu Gemüte zu führen, wie im Anschlüssean Mailand das Heil der Stadt liege, und ihm die Gunst nicht bloßdes Mohren, sondern auch des Kardinals Askanio in Aussicht zustellen, wenn er dazu mitwirke. Der Gesandte glaubte seinemHerrn mitteilen zu können, der Frate, der, wie er bemerkt habenwollte, auf die Huld des Kardinals Askanio ganz besonderes Ge-wicht legte, sei seinen Plänen keineswegs abgeneigt 128 . Einsich-tige verhehlten sich freilich nicht, daß vom Frate, selbst wenn ermit einer Änderung der florentinischen Politik einverstanden gewe-sen wäre, im Ernste doch nichts zu erwarten sei; denn, sagte mansich, in dem Augenblicke, in dem er sich von Karl lossagen wollte,würde er wie ein wildes Tier in Stücke zerrissen werden. Manfand nun wieder einmal, er sei böse, verschlagen und unverbesser-lich, und hielt es für das Beste, ihm durch einen tüchtigen Pre-diger und Ordensmann vom Schlage eines Mariano von Genna-zano das Wasser abgraben zu lassen 127 . Die Arrabbiaten, die sicheine Zeitlang schon am Ziele ihrer heißesten Wünsche gewähnthatten, vermochten es gar nicht zu fassen, daß die Frateschen,an ihrer Spitze Männer wie Franz Valori, Peter Guicciardini undPaulanton Soderini, auch jetzt immer noch auf ihn und seine Ver-