DIE GESANDTSCHAFT INS PARADIES 3 55
kann. Wenn man sich vielfach darüber lustig macht, daß ich !schrieb, ich sei im Paradiese gewesen 00 , so muß man entweder sehrtöricht oder sehr boshaft sein. Denn bei näherer Prüfung meinerSchilderung wird man unschwer erkennen, daß ich nicht leiblichim Paradiese gewesen sein will, daß es sich vielmehr bei dem gan-zen Gesichte nur um ein Werk der Einbildungskraft handle. Dennim Paradiese gibt es keine Gewässer, keine Tiere, Bäume, Mauern,Tore, Treppen, Stühle oder Edelsteine; und da ich alle diese Dingegeistig ausgelegt habe, so hätte man daraus bei einigem guten Wil-len leicht entnehmen können, daß all das, was ich schaute, dasErgebnis einer Einwirkung von Engeln auf meine Einbildungs-kraft war, wie ich das schon im Eingange des Buches dargetanhatte. So sahen ja auch die Propheten viele Dinge, besonders ver-sichert Ezechiel, an verschiedenen Orten geweilt zu haben, in dieer sich im Geiste und nicht mit dem Leibe versetzte. Meine vonvielen beanstandete Äußerung, daß Rom verworfen und dafür Je-rusalem erwählt werden solle, will nur besagen, daß die GottlosenRoms verworfen und vertilgt werden sollen, und daß sich die Blüteder Christenheit im Bereiche Jerusalems befinden werde. Das willnicht heißen, die römische Kirche gehe unter oder verliereden Glauben oder erhalte zwei Päpste, sondern nur, diechristliche Frömmigkeit werde unter einem rechtmäßigen Papstebesser im Bereiche Jerusalems als bei uns gedeihen. Alle vonChristen bewohnten Teile der Welt werden sich unter die römischeKirche beugen, an deren Spitze ein heiliger Papst stehen wird, ob-schon er auch noch die Vollgewalt über alle anderen Kirchen be-sitzt, wie alle Päpste sie haben. So könnte ich noch auf verschie-dene deiner Bedenken antworten, doch wirst du sie selbst zer-streuen können, wenn du meinen .Abriß der Offenbarungen' zurHand nimmst. Zum Erweise des göttlichen Ursprunges meinerPredigt will ich dich nur auf den einen Umstand verweisen, daßerfahrungsgemäß jedermann, der sie annimmt, zugleichan Seelenruhe und Frömmigkeit zunfinmt, während ihre Geg-ner des inneren Friedens ermangeln und entweder der Heerscharder Lauen und Lasterhaften oder der wirtschaftlich Herabgekom-menen angehören, die sich gerne auf Gemeindeunkosten erholenmöchten und nun auf die gegenwärtige Verfassung schimpfen, diesie daran hindert."
Die Mißstimmung, mit welcher der Frate zu ringen hatte, wuchs23*