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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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354
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354 DIE PREDIGTEN ÜBER RUTH

Wahrheit mehr als jedes andere Laster im Wege. Wenn manmich ferner des Ungehorsams wider den Heiligen Stuhl bezichtigt,so sollte man doch bedenken, daß ein solcher nicht ungeahndetgeblieben wäre. Der Heilige Vater gab sich nun aber in seinerWeisheit mit den Gründen, die ich zu meiner Entschuldigung vor-brachte, durchaus zufrieden, und obschon man ihn vielfach vomWege der Wahrheit abbringen wollte, so ließ er sich in seinerKlugheit doch nicht verhetzen. Daß meine Weissagungen heftigenWiderspruch und Spott hervorrufen, darf dich nicht überraschen.Auch den Propheten ging es nicht anders, und der Apostel sagtausdrücklich: ,Prophetien mißachtet nicht; prüfet alles; was gutist, behaltet! (1. Thess. 5, 20 f.)' Der Weise weiß, daß Gott seinerKirche in Zeiten der Not stets durch Propheten zu Hilfe kam, wieder heilige Thomas erklärt 89 . In Vergangenheit und Gegenwart ha-ben zahllose Leute, Männer wie Frauen, Künftiges vorhergesagt,ohne im geringsten behelligt zu werden, obschon das gerade Ge-genteil eintrat; nur mich verfolgt man, obschon sich meine Vor-aussagungen bereits erfüllt haben und zum Teil noch erfüllen.Allerdings fehlt es hier in Florenz nicht an solchen, welche dievon mir eingeführte Regierungsform als eine Narrenverfassungbezeichnen. Allein, das ist nur die Sprache der Arrabbiaten, wäh-rend alle Unbefangenen darin einig sind, daß es eine bessere Ver-fassung für dieses Volk nicht geben kann; vermag wirklich jemandeine solche vorzuschlagen, so bin ich der erste, ihm beizustehen.Wenn es nun in Florenz gleichwohl von Tag zu Tag schlechtergeht, so liegt der Fehler im Mangel an rechtem Glauben und ge-ordneter Rechtspflege. Hätten sich die Florentiner an meine Wortegehalten, so würden sie sich überzeugt haben, daß sich das Maßihrer Trübsal nach dem Maß ihrer Rechtspflege richtet; wenn siediese vernachlässigen und dulden, daß die Stadt voller Bösewichteund Verbrecher ist, welche die gegenwärtige Verfassung mit Hohnund Spott überhäufen was Wunder, wenn ihnen Gott seineHuld entzieht? Mit ihrer Nachsicht, die doch nur Torheit undnicht Güte ist, meinen sie, Gott zu gefallen, ohne zu bedenken, wiestrenge Gott der Heiligen Schrift gemäß Verfehlungen wider dasGemeinwohl bestraft. Du fürchtest sodann, ich schwebe in großerGefahr. Was liegt daran? Ist Gott für uns, wer ist wider uns?Verliere ich mein Leben, so sterbe ich aus Liebe zu Gott, der anmeiner Stelle andere mit der Vollendung seines Werkes betrauen