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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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346
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346 DIE PREDIGTEN ÜBER RUTH

Man war in Rom zum Einlenken um so mehr bereit, da manwußte, daß selbst der Mohr geheime Unterhandlungen mit demKönige pflog, obschon er zur selben Zeit die Aragonesen in ihremKampfe wider die Franzosen zur Wiedereroberung Neapels unter-stützte; und man urteilte, der Papst, unselbständig und wankel-mütig wie immer, werde tun, was der Mohr tue 34 . Am französi-schen Hofe wies Kardinal S. Malo den Brief eines römischen Freun-des vor, demzufolge der Papst unzufrieden mit der Liga und zueinem Bündnisse mit dem Könige bereit sei, sobald dieser nachAsti käme 35 . Auch der Kardinal Peraud von Gurk, der Ende März1496 in Perugia eintraf und hier mehrere lange Besprechungenmit dem florentinischen Gesandten Alexander Bracci hatte, warfest davon überzeugt, der französische König werde nächstens mitgroßer Heeresmacht wiederkehren, beseelt von der besten Absichtfür Florenz. Er machte auch aus seinem Unwillen über dasschlechte Leben des Papstes kein Hehl und hielt eine Kirchen-spaltung für unabwendbar 30 . Wie er dem Gesandten mitteilte,hatte er soeben ein Breve mit der päpstlichen Weisung erhalten,sich entweder in Rom einzufinden oder nach Foligno in seinenSprengel zurückzuziehen; er wählte das letztere, entschlossen, biszur Ankunft des Königs daselbst zu bleiben und dann zu ihm zustoßen, und zwar selbst gegen den Willen des Papstes. Denn,sagte er, er wisse, daß er dem Papste von Rechts wegen in sünd-haften Dingen keinen Gehorsam schulde; des Papstes Sinn seiüberhaupt nur auf sündhafte Dinge gerichtet, stehe er doch gleichVenedig in freundschaftlicher Beziehung zum Türken 37 . Er selbsthabe päpstliche Breven an den Türken und die Antwort des Tür-ken an seine Heiligkeit gesehen, überdies die Abschrift einer bei-derseitigen Übereinkunft 38 . Er wisse zudem, daß der Türke demPapste 200 000 Dukaten 39 angeboten habe, wenn er seinen BruderDschem umbringe, wie er denn von dessen Tod halte, was davonzu halten sei 40 . Wenn er den Wandel des Papstes und mancherKardinäle bedenke, so werde ihm der Aufenthalt am römischenHofe zum Greuel, und er könne sich nicht dazu entschließen, essei denn, Gott reformiere seine Kirche. So sprach der Kardinal,,wie Bracci berichtete 41 , mit großer Frömmigkeit und wie einkatholischer Prälat, indem er den Gesandten zugleich aufforderte,die Signorie zum beharrlichen Aushalten an der Seite des Königszu ermuntern, denn darin allein beruhe das Heil und Glück ihrer