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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
339
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PREDIGT IN PRATO 33g

vortrage ruhig fort. Am Karfreitag gab er von einem GesichteKunde 82 , in dem er die ganze Welt vor sich ausgebreitet sah, undauf einer blumenbedeckten Höhe ein Kreuz mit dem Erlöser, ausdessen Wunden sich Strahlen seines Blutes über die Länder er-gossen. Am Fuße des Kreuzes aber entsprang ein Strom, der dieWelt in zwei Teile schied: links Rom mit den Christen, rechtsJerusalem mit den Ungläubigen. Voll Eifer eilten diese herbei,um sich im Lebensstrome zu baden, während sich die Christen desauf ihre Stirne gezeichneten Kreuzes vielfach schämten. Machteschon diese Vision, in einem kunstlosen Holzschnitte eindringlichdargestellt 83 , tiefen Eindruck, so erst recht die Schlußpredigt amweißen Sonntag, 10. April, mit ihrem großartigen Rückblicke undergreifenden Aufrufe an die römische Kirche, an die Prälaten undPriester, Mönche und Nonnen, an Freunde und Feinde, an Frauenund Kinder, die von ihm in Gottes Namen und Auftrag verkündeteBotschaft nicht unbeherzigt in den Wind zu schlagen, sondernBuße zu tun, solange es Zeit sei.

Nach Beendigung seiner Fastenpredigten begab sich der Fratenach dem benachbarten Prato, wo er fast drei Wochen verweilte 84 .Unter ungeheurem Zudrang der Bevölkerung verkündete er auchhier das Wort Gottes; in solchen Massen strömten die Gläubigenvon allen Seiten, auch von Florenz, herbei, daß es schien, alsregne- es Menschen 85 . Die Florentiner hatten, nachdem sich Pisaempört hatte, 1495 die dortige Universität nach Prato verlegt, wosie bis 1497 verblieb 80 . Der Frate lud nun eines Tages die Pro-fessoren 87 und Studenten zu sich in den Speisesaal des KlostersS. Dominikus ein und hielt ihnen einen dreistündigen Vortrag überdie Herrlichkeit des Glaubens, der selbst die bisherigen Gegner ineiner Weise ergriff, daß sich manche Doktoren bekehrten undOlivier Arduino, florentinischer Domherr, damals als erster Philo-soph Italiens gefeiert, in die Worte ausgebrochen sein soll:MeineSchüler und ihr anderen alle, kommt, laßt uns diesem Manne dieBücher nachtragen, denn selbst dessen sind wir kaum würdig 88 !Zu Füßen des Frate saß in Prato auch ein Student der Rechte ausSachsen, Nikolaus von Schönberg, der älteste Sohn des Landhof-meisters Dietrich von Schönberg 89 . Das Bild des gottentflammtenPropheten und sein erschütterndes Wort verließ den jungen Adeli-gen nicht mehr; selbst in dem sinnberauschenden Getriebe derewigen Stadt, wohin er von Prato zog, ließ es ihm keine Ruhe.22*

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